Hisbollah-Tunnel unter dem Beaufort-Höhenzug: Das Versagen im Südlibanon
Unter dem Beaufort-Höhenzug im Südlibanon hat die israelische Armee ein weitläufiges Tunnelsystem der Hisbollah offengelegt. Die unterirdische Anlage zeigt, wie die vom Iran unterstützte Organisation über Jahre eine militärische Parallelstruktur errichten konnte. Für Israel ist der Fund keine abstrakte Sicherheitsfrage, sondern eine konkrete Bedrohung nur wenige Kilometer von Metula entfernt.
Ein historischer Höhenzug über einer modernen Front
Die Festung Beaufort, arabisch Qalaat al-Chakif, liegt auf einem strategisch bedeutenden Höhenzug im Südlibanon. Von dort lassen sich das Litani-Tal, wichtige Verkehrswege und Teile des israelischen Nordens überblicken. Heute gehört die Anlage als eine von fünf Festungen zur seriellen UNESCO-Welterbestätte „Mount Amel Castles“.
Der heutige militärische Schwerpunkt lag jedoch nicht in den alten Mauern, sondern tief im Fels des Höhenzugs. Am 7. Juni 2026 veröffentlichte die israelische Armee Einzelheiten über ein mehrstufiges Tunnelsystem unter dem Beaufort-Höhenzug. Ein darin gelegener Haupttunnel soll ungefähr einen Kilometer lang sein und über sechs Schächte verfügen.
Die IDF verortet das Tunnelsystem ausdrücklich unter dem Beaufort-Höhenzug. Der Militärkorrespondent der Times of Israel berichtet nach einer Pressetour, dass mehrere der untersuchten Tunnel etwa einen Kilometer südlich der historischen Festung in den Höhenzug getrieben wurden. Auch der Mena-Watch-Bericht nennt später im Text diese Entfernung.
Die Formulierung „nahe Beaufort“ ist deshalb geografisch zu ungenau. Die Aussage, der untersuchte Haupttunnel verlaufe direkt unter den historischen Mauern der Festung, ist durch die öffentlich zugänglichen Angaben allerdings ebenfalls nicht eindeutig belegt. Sachlich präzise ist die Formulierung: unter dem Beaufort-Höhenzug, südlich der Festung.
Kein Versteck, sondern ein militärischer Stützpunkt
Nach Angaben der IDF fanden die Soldaten Waffenlager, Panzerabwehrraketen, einen Raketenwerfer, Granaten, Munition und weitere Kampfausrüstung. Hinzu kamen Strom- und Wasserleitungen, Küchen, Duschen, Toiletten, Schlafbereiche und ein medizinischer Operationsraum. Diese Ausstattung war auf längere Aufenthalte und den Einsatz zahlreicher Kämpfer ausgelegt.
Ein Vor-Ort-Bericht von Mena-Watch, der während einer von der israelischen Armee organisierten Pressetour entstand, beschreibt einen begehbaren Haupttunnel mit Versorgungseinrichtungen, Wohnräumen und kleinen Transportfahrzeugen. Solche Fahrzeuge ermöglichten demnach den schnellen Transport von Waffen, Ausrüstung und Kämpfern zwischen verschiedenen Abschnitten der Anlage.
Auch der Militärkorrespondent der Times of Israel besichtigte einen der Tunnel. Dieser soll sich rund 1,3 Kilometer in den Berg erstrecken. Nach Aussagen eines beteiligten israelischen Pionieroffiziers diente das System sowohl dem direkten Beschuss Israels als auch der Verteidigung des Beaufort-Höhenzugs gegen einen israelischen Bodenvorstoß.
Die israelische Armee erklärt, das System sei über mehr als ein Jahrzehnt mit iranischer Finanzierung und Planung ausgebaut worden. Diese Angaben stammen von einer Konfliktpartei und müssen entsprechend gekennzeichnet bleiben. Die dokumentierte Größe und Ausstattung der Anlage sprechen jedoch auch ohne politische Zuspitzung gegen die Darstellung der Hisbollah als bloße lokale Widerstandsgruppe. Unter dem Höhenzug entstand die Infrastruktur einer militärischen Organisation, die unabhängig vom libanesischen Staat operierte.

Passende X-Beiträge
Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivDie Gefahr lag nur sechs Kilometer von Metula entfernt
Der Beaufort-Höhenzug liegt nach israelischen Angaben nur etwa sechs Kilometer von Metula entfernt. Von diesem Gebiet aus soll die Hisbollah während des Konflikts rund 400 Geschosse auf Nordisrael abgefeuert haben. Die unterirdische Infrastruktur diente laut IDF als Kommandozentrum, Waffenlager und geschützter Ausgangspunkt für Angriffe mit Drohnen, Panzerabwehrraketen und anderen Waffensystemen.
Mena-Watch berichtet außerdem über gefundene Unterlagen und israelische Einschätzungen, wonach die Hisbollah einen groß angelegten Angriff auf Galiläa vorbereitet habe. Ein konkreter Angriffsbefehl oder ein festgelegtes Datum sind durch die öffentlich zugänglichen Quellen allerdings nicht abschließend belegt. Belegt ist die Fähigkeit, größere Einheiten geschützt unterzubringen, über längere Zeit zu versorgen und in unmittelbarer Nähe zur israelischen Grenze einzusetzen.
Gerade nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 wäre es fahrlässig, diese Fähigkeit erst dann ernst zu nehmen, wenn ein letzter schriftlicher Angriffsbefehl gefunden wird. Israel muss nicht warten, bis Kämpfer aus den Tunneln aufbrechen und israelische Grenzorte angreifen. Sicherheitsvorsorge beginnt vor dem Überfall, nicht erst danach.
Resolution 1701 blieb weitgehend auf dem Papier
Nach dem Libanonkrieg von 2006 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1701. Sie richtet sich an beide Konfliktseiten, enthält für den Südlibanon aber eine unmissverständliche Vorgabe: Zwischen der Blauen Linie und dem Litani sollte es keine bewaffneten Kräfte, militärischen Einrichtungen oder Waffen außerhalb der libanesischen Regierung, der libanesischen Armee und UNIFIL geben.
Das Tunnelsystem unter dem Beaufort-Höhenzug ist der sichtbare Beleg dafür, dass dieses Ziel über Jahre nicht erreicht wurde. Während auf diplomatischer Ebene von Stabilität und Eindämmung gesprochen wurde, baute die Hisbollah unter der Erde eine befestigte Front auf. Ein kilometerlanger Komplex mit Waffenlagern, Kommandoeinrichtungen und eigener Versorgung entsteht nicht über Nacht. Ebenso wenig entsteht er völlig unbemerkt in einer politischen Landschaft, in der staatliche Stellen, lokale Akteure und internationale Beobachter tätig sind.
UNIFIL beschreibt ihre Aufgabe selbst als Unterstützung der libanesischen Armee bei der Herstellung eines Gebiets südlich des Litani, das frei von nicht autorisierten bewaffneten Kräften, militärischem Material und Waffen sein soll. Die Mission besitzt jedoch weder die politische Autorität noch die militärische Freiheit, den libanesischen Staat zu ersetzen. Die Hauptverantwortung liegt deshalb bei einer libanesischen Führung, die das eigene Gewaltmonopol gegenüber der Hisbollah nicht durchsetzen konnte oder nicht durchsetzen wollte. Zugleich kann die internationale Gemeinschaft nach einem solchen Fund kaum behaupten, das Ausmaß der militärischen Unterwanderung sei völlig überraschend gewesen.

Libanesische Souveränität verlangt die Entwaffnung der Hisbollah
Israelische Militäroperationen auf libanesischem Gebiet müssen selbstverständlich am humanitären Völkerrecht gemessen werden. Auch der Schutz von Zivilisten und Kulturgütern bleibt verbindlich. Diese notwendige Prüfung darf jedoch nicht dazu führen, Ursache und Reaktion zu vertauschen.
Libanesische Souveränität bedeutet nicht, dass eine vom Iran finanzierte Organisation unter ihrem Schutz Tunnel bauen, Raketen lagern und eigenständig Krieg gegen Israel führen darf. Ein souveräner Staat entscheidet selbst über Krieg und Frieden. Solange die Hisbollah diese Entscheidung an sich zieht, ist der Libanon nicht nur Opfer ausländischer Einmischung, sondern auch Ausgangspunkt einer bewaffneten Bedrohung.
Eine dauerhafte Lösung kann deshalb nicht allein aus einer weiteren Feuerpause bestehen. Sie verlangt die tatsächliche Kontrolle des Südlibanon durch die libanesische Armee, den Abbau der Hisbollah-Infrastruktur und die Durchsetzung jener Regeln, die seit 2006 gelten. Andernfalls wird jede Waffenruhe lediglich zur Baupause für das nächste Tunnelsystem.
Der Fund unter dem Beaufort-Höhenzug beweist keinen unmittelbar bevorstehenden Angriff nach dem Muster des 7. Oktober. Er belegt jedoch eine über Jahre aufgebaute militärische Infrastruktur in unmittelbarer Nähe zu Israel, obwohl die Resolution 1701 genau dies verhindern sollte. Israel kann nicht verpflichtet werden, auf internationale Zusagen zu vertrauen, die unter der Erde längst ausgehöhlt wurden.
Wer von Israel Zurückhaltung verlangt, muss daher auch beantworten, wer die Hisbollah tatsächlich entwaffnet und den Bewohnern Nordisraels garantiert, dass unter den nächsten Höhenzügen nicht bereits die nächste Angriffsfront entsteht.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ IDF: Underground Hezbollah Terror Tunnels beneath the Beaufort Ridge
Offizielle Angaben der israelischen Armee zu Lage, Aufbau, Ausstattung und militärischer Nutzung des Tunnelsystems.
▶️ IDF: Terrorists and Weapons Found in Beaufort Ridge Underground Tunnel
Ergänzende Angaben zu gefundenen Waffen, Aufenthaltsräumen und weiteren Operationen im Tunnelnetz.
▶️ Times of Israel: Reportage aus dem Beaufort-Tunnelsystem
Vor-Ort-Bericht des Militärkorrespondenten Emanuel Fabian. Der besichtigte Tunnel wird etwa einen Kilometer südlich der Festung unter dem Höhenzug verortet.
▶️ UN-Sicherheitsrat: Resolution 1701 vom 11. August 2006
Originaldokument zu Waffenruhe, staatlichem Gewaltmonopol und dem vorgesehenen Gebiet ohne nicht autorisierte bewaffnete Kräfte und Waffen südlich des Litani.
▶️ UNIFIL: Auftrag und Operationen im Südlibanon
Offizielle Beschreibung des UNIFIL-Auftrags zur Unterstützung der libanesischen Armee bei der Umsetzung der Resolution 1701.
▶️ UNESCO: Mount Amel Castles
Dokumentation der seriellen Welterbestätte, zu deren fünf Bestandteilen die Festung Beaufort gehört.
▶️ Mena-Watch: Die unterirdische Front
Vor-Ort-Bericht von einer IDF-Pressetour mit Beobachtungen aus dem Tunnel und Aussagen israelischer Militärvertreter sowie einer Einwohnerin von Metula.

