Griechenland setzt auf israelische Technologie: Milliarden für den „Achilles Shield“
Griechenland steht kurz vor dem nächsten entscheidenden Schritt bei einem der größten Rüstungsprogramme seiner jüngeren Geschichte. Mit dem mehrstufigen Verteidigungsprogramm „Achilles Shield“ will Athen sein Land künftig besser gegen Drohnen, Marschflugkörper, ballistische Raketen und Luftangriffe schützen. Israelische Verteidigungssysteme sollen dabei eine zentrale Rolle übernehmen.
Für das derzeit geplante Beschaffungspaket werden Kosten von rund drei Milliarden Euro genannt. Die Gesamtkosten des umfassenderen „Achilles Shield“-Programms werden nach griechischen Medienberichten auf etwa 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Der geplante Beschluss ist damit weit mehr als eine gewöhnliche Waffenbeschaffung. Er zeigt, wie stark sich die sicherheitspolitischen Prioritäten in Europa durch den Krieg in der Ukraine, den massenhaften Einsatz von Drohnen und die Raketenangriffe im Nahen Osten verändert haben.
Ein mehrschichtiger Schutzschirm für Griechenland
Nach Informationen der griechischen Zeitung Ekathimerini soll der Regierungsrat für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, kurz KYSEA, den nächsten entscheidenden Schritt des Programms freigeben. Die Zustimmung wäre der letzte formale Schritt vor der Umsetzung und den vorgesehenen Vertragsunterzeichnungen.
Der „Achilles Shield“ soll unterschiedliche Verteidigungsebenen miteinander verbinden. Geplant sind moderne Radar- und Sensorsysteme, eine zentrale digitale Einsatzführung sowie verschiedene Abwehrsysteme gegen Drohnen, Marschflugkörper, Kampfflugzeuge und ballistische Raketen.
Die einzelnen Komponenten sollen über ein gemeinsames Führungs- und Kontrollnetz verbunden werden. Die eingesetzte Software soll Bedrohungen frühzeitig erkennen, klassifizieren und mithilfe künstlicher Intelligenz die Auswahl des geeigneten Abwehrmittels unterstützen. Nach den bisherigen Berichten soll die Software unter griechischer Kontrolle bleiben.
Geschützt werden sollen insbesondere kritische Infrastruktur und militärische Einrichtungen auf den griechischen Inseln und dem Festland. Auch autonome Systeme und Cyberbedrohungen werden im übergeordneten Verteidigungskonzept berücksichtigt.

Israel liefert entscheidende Komponenten
Nach bisherigen Berichten soll Griechenland mehrere israelische Systeme beschaffen. Genannt werden das mobile Luftverteidigungssystem SPYDER All-in-One von Rafael sowie das vernetzte Luft- und Raketenabwehrsystem BARAK MX von Israel Aerospace Industries.
BARAK MX ist kein einzelnes Mittelstreckensystem, sondern eine modulare Systemfamilie mit unterschiedlichen Abfangflugkörpern. Je nach Konfiguration kann das System verschiedene Bedrohungen in unterschiedlichen Entfernungen bekämpfen und mehrere Sensoren, Radare und Feuerstellungen in einem gemeinsamen Netzwerk verbinden.
Für die Abwehr ballistischer Raketen ist außerdem eine angepasste Lösung auf Grundlage von David’s Sling vorgesehen. Das von Rafael mit amerikanischen Partnern entwickelte System bildet in Israel die mittlere bis obere Ebene der mehrschichtigen Luft- und Raketenabwehr. Nach griechischen Medienberichten könnte eine Variante unter Einbeziehung des SkyCeptor-Abfangflugkörpers zum Einsatz kommen. Die genaue Konfiguration ist bislang jedoch nicht abschließend öffentlich bestätigt.
Israel zählt weltweit zu den führenden Staaten im Bereich der integrierten Luft- und Raketenabwehr. Die eingesetzten Systeme wurden über viele Jahre weiterentwickelt und teilweise unter realen Einsatzbedingungen erprobt. Gerade der zunehmende Einsatz vergleichsweise günstiger Kampfdrohnen hat die Anforderungen an moderne Luftverteidigung grundlegend verändert.
Moderne Luftverteidigung besteht aus mehreren miteinander vernetzten Ebenen. Unterschiedliche Systeme übernehmen die Abwehr von Drohnen, Flugzeugen, Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen. Entscheidend ist nicht nur die Reichweite einzelner Abfangsysteme, sondern ihr Zusammenspiel mit Radaren, Sensoren und einer gemeinsamen Einsatzführung.
Die Zusammenarbeit mit Israel wächst weiter
Griechenland und Israel haben ihre sicherheitspolitische Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Gemeinsame Militärübungen, Ausbildungsprogramme und Rüstungsprojekte gehören inzwischen zur strategischen Partnerschaft beider Länder.
Auch beim „Achilles Shield“ sollen griechische Unternehmen beteiligt werden. Nach bisherigen Planungen ist eine Beteiligung von rund 25 Prozent vorgesehen. Damit will Athen nicht nur seine Verteidigungsfähigkeit stärken, sondern zugleich die eigene Rüstungsindustrie ausbauen und technisches Wissen im Land halten.
Für Israel bestätigt das Projekt erneut die internationale Nachfrage nach seiner Verteidigungstechnologie. Mehrere europäische Staaten haben sich in den vergangenen Jahren für israelische Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsysteme entschieden oder entsprechende Kooperationen vereinbart.
Das Programm ist zugleich ein Signal für die veränderte europäische Sicherheitsarchitektur. Drohnen und Raketen gehören längst nicht mehr nur zu den Bedrohungsszenarien des Nahen Ostens. Auch europäische Staaten investieren deshalb verstärkt in vernetzte Luftverteidigung, moderne Sensoren und mehrschichtige Abwehrsysteme.
Griechenland plant im Rahmen des „Achilles Shield“ ein mehrere Milliarden Euro schweres, mehrschichtiges Verteidigungssystem. Israelische Technologien wie SPYDER, BARAK MX und voraussichtlich eine angepasste Lösung auf Grundlage von David’s Sling sollen zentrale Bestandteile bilden. Die endgültigen Verträge stehen noch aus, doch das Projekt verdeutlicht bereits jetzt die wachsende sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Athen und Jerusalem.