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Linke Demonstration mit antifaschistischen Parolen, antiisraelischen Plakaten und einer isolierten Frau mit Israel-Flagge

Deutschlands Linke und Israel: Antisemitismus wird zu oft wegdefiniert

Antisemitismus in der Linken zeigt sich heute besonders deutlich am politischen Kurs der Linksjugend Solid. Was früher im eigenen Verband als antisemitisch galt, wird heute teilweise als Befreiungspolitik, Antikolonialismus oder Solidarität mit Palästina präsentiert.

Das ist keine akademische Randfrage. Die Jugendorganisation der Partei Die Linke prägt junge Aktivisten, entsendet Delegierte zu Parteitagen und drängt ihre Mutterpartei zu einer immer schärferen Linie gegen Israel. Gleichzeitig erleben Juden in Deutschland Rekordwerte antisemitischer Vorfälle, werden für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht und müssen immer häufiger erklären, weshalb jüdische Selbstbestimmung überhaupt legitim sein soll.

Die Gefahr liegt nicht darin, dass jedes Mitglied der Linksjugend Juden körperlich bedroht. Eine solche Pauschalisierung wäre falsch. Brandgefährlich ist vielmehr ein politisches Milieu, das Israel als rassistisches und koloniales Grundübel beschreibt, Zionismus zur verwerflichen Ideologie erklärt, jüdische Gegenrede als Repression abwertet und antiisraelische Mobilisierung als moralische Pflicht versteht.

Die Linksjugend hat ihre eigene rote Linie eingerissen

Ein Blick in die eigenen Beschlüsse zeigt, wie radikal sich der Verband verändert hat. Im Jahr 2015 verabschiedete die Linksjugend Solid den Beschluss „Gegen jeden Antisemitismus“. Darin bezeichnete sie mehrere Positionen ausdrücklich als antisemitisch und nicht akzeptabel.

Dazu zählten: Der Beschluss nennt die folgenden Punkte teils in seiner abschließenden Liste und teils bereits im Begründungstext.

  • die Behauptung, Israel begehe einen Genozid
  • die Dämonisierung Israels als Apartheidsstaat
  • die Infragestellung des Existenzrechts Israels
  • die Solidarisierung mit Hamas und Hisbollah
  • Boykottbewegungen und ressentimentgeladene Israelkritik

Der damalige Beschluss erkannte einen entscheidenden Punkt: Antisemitismus tritt nicht nur als offener Hass auf Juden auf. Er kann sich auch gegen Israel richten, klassische Feindbilder politisch neu verpacken und jüdische Selbstbestimmung als Ursache allen Übels darstellen.

Zehn Jahre später beschloss derselbe Bundesverband nahezu das Gegenteil.

Beim Bundeskongress 2025 verabschiedete die Linksjugend die Resolution „Nie wieder zu einem Völkermord schweigen“. Darin bezeichnet sie das israelische Staatsprojekt von seinen Anfängen an als kolonial und rassistisch, wirft Israel Apartheid und Genozid vor, verlangt ein uneingeschränktes Rückkehrrecht und verpflichtet ihre Sprecher sowie Mandatsträger, diese Linie nach außen zu vertreten.

Damit erklärt die Linksjugend heute Positionen zur offiziellen Verbandslinie, die sie 2015 selbst als antisemitisch eingestuft hatte.

Das ist kein Missverständnis und keine unglückliche Einzeläußerung. Es ist ein dokumentierter politischer Kurswechsel.


ℹ️ Was „brandgefährlich“ hier bedeutet

Die Linksjugend ist nicht deshalb gefährlich, weil jedes ihrer Mitglieder Gewalt gegen Juden befürworten würde. Dafür gibt es keine belastbare Grundlage.

Gefährlich ist die politische Wirkung ihrer Beschlüsse: Der jüdische Staat wird grundsätzlich delegitimiert, Zionismus wird als verwerfliches Projekt behandelt, jüdische Einwände werden als Repressionsversuch abgewertet und radikale antiisraelische Milieus erhalten moralische Rückendeckung.

Eine solche Politik kann Ausgrenzung normalisieren, Feindbilder verstärken und das Sicherheitsgefühl jüdischer Menschen in Deutschland weiter beschädigen.

Aus Antisemitismuskritik wurde antizionistische Mobilisierung

Der Bundeskongressbeschluss von 2025 beschreibt nicht lediglich konkrete Entscheidungen der israelischen Regierung. Er erklärt den Charakter des israelischen Staates selbst zum Problem. Israel erscheint nicht als demokratischer Staat mit einer kritisierbaren Regierung, sondern als koloniales und rassistisches Projekt, dessen Entstehung bereits Teil des Verbrechens sei.

Genau hier verläuft die Grenze zwischen harter Regierungskritik und der Delegitimierung jüdischer Staatlichkeit.

Wer Netanjahus Regierung kritisiert, übt politische Kritik. Wer militärische Entscheidungen prüft, zivile Opfer beklagt oder eine andere Nahostpolitik fordert, bewegt sich im normalen demokratischen Streit.

Wer jedoch den jüdischen Staat in seiner historischen Entstehung als rassistisches Kolonialprojekt beschreibt, greift nicht nur eine Regierung an. Er bestreitet die Legitimität jüdischer nationaler Selbstbestimmung.

Das uneingeschränkte Rückkehrrecht, das die Linksjugend fordert, wird ebenfalls gern als reine Menschenrechtsfrage dargestellt. In seiner maximalen Form könnte es jedoch das Ende Israels als jüdischen Staat bedeuten. Genau deshalb gehört diese Forderung nicht in die harmlose Kategorie gewöhnlicher Regierungskritik.

Linke Demonstration mit antifaschistischen Plakaten, während eine Frau mit Israel-Flagge isoliert neben antiisraelischen Parolen steht
KI-Bild | Antifaschistische Parolen schützen nicht automatisch vor israelbezogenem Antisemitismus.

Berlin, Baden-Württemberg und der Kampf gegen israelsolidarische Stimmen

Der Bundesverband ist kein isolierter Ausreißer. Mehrere Landesverbände haben die antizionistische Linie weiter verschärft.

Die Linksjugend Berlin erklärte Zionismus ausdrücklich für unvereinbar mit ihren Grundwerten. Sie distanzierte sich inhaltlich und organisatorisch vom Bundesarbeitskreis Shalom, also ausgerechnet von jener Strömung, die sich innerhalb des Verbands gegen Antisemitismus und für Israels Existenzrecht engagierte.

Der Berliner Beschluss behauptet zudem, der angebliche Genozid habe nicht erst mit dem aktuellen Krieg begonnen, sondern sei Teil einer jahrzehntelangen israelischen Politik. Damit wird nicht mehr ein konkreter Militäreinsatz angeklagt. Die gesamte Geschichte Israels wird in eine fortlaufende Vernichtungserzählung eingeordnet.

Auch die Linksjugend Baden-Württemberg beschloss eine klare Frontstellung gegen Zionismus. Der Landesverband forderte unter anderem die Ablehnung der Zweistaatenlösung, die Auflösung des BAK Shalom, Sanktionen gegen Israel und die Unterstützung palästinasolidarischer Aktionen. Ein Beschluss trägt sogar den Titel „Solidarität mit Palästina und dem Widerstandskampf der Palästinenser“.

Der Begriff „Widerstandskampf“ ist in diesem Zusammenhang keine harmlose Vokabel. Nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 müsste eine demokratische Jugendorganisation präzise erklären, welche Formen des Widerstands sie meint und welche sie unmissverständlich ausschließt. Wo diese Grenze verschwimmt, entsteht ein politischer Raum, in dem Terror als Befreiung umgedeutet werden kann.

Das bedeutet nicht, dass jeder palästinensische Widerstand islamistisch oder terroristisch ist. Es bedeutet aber ebenso wenig, dass man den Begriff unkritisch verwenden darf, während Hamas, Islamischer Dschihad und andere bewaffnete Gruppen ihre Gewalt selbst als Widerstand inszenieren.

Wenn „Zionist“ zur politischen Feindmarkierung wird

Zionismus bedeutet im Kern die Überzeugung, dass Juden ein Recht auf nationale Selbstbestimmung und einen sicheren Staat haben. Innerhalb jüdischer Gemeinschaften existieren sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie dieser Staat aussehen, welche Grenzen er haben und welche Politik seine Regierung verfolgen soll.

Wer Zionismus pauschal als rassistisch, kolonial oder unvereinbar mit linken Grundwerten erklärt, greift deshalb nicht nur eine bestimmte israelische Regierung an. Er erklärt eine zentrale Form jüdischer Selbstbestimmung zum politischen Makel.

Für Juden in Deutschland hat das konkrete Folgen.

Jüdische Studenten erleben an Hochschulen erheblichen Druck und ein ausgeprägtes Unsicherheitsgefühl. In politischen Milieus geraten jüdische Organisationen und israelsolidarische Linke zudem unter Rechtfertigungsdruck. Sie werden mitunter als Rassisten, Imperialisten oder Unterstützer eines angeblichen Genozids behandelt. Der Begriff „Zionist“ wird zur Chiffre, mit der Menschen markiert, ausgeschlossen und moralisch entwertet werden.

Die Botschaft lautet: Jüdisches Leben ist willkommen, solange es seine Bindung an Israel verleugnet oder in eine politisch genehme Form presst.

Das ist keine Solidarität mit Juden. Es ist eine politische Bedingung an jüdische Zugehörigkeit.

Die Definitionsfrage dient inzwischen als politischer Schutzschirm

Zwei Mappen mit den Kürzeln IHRA und JDA liegen auf einem Schreibtisch neben einer Waage als Symbol für konkurrierende Antisemitismusdefinitionen
KI-Bild | IHRA und JDA setzen unterschiedliche Maßstäbe für die Bewertung von Israelkritik und Antisemitismus.

Die Partei Die Linke beschloss 2025, sich an der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus zu orientieren und die Verwendung der IHRA-Arbeitsdefinition scharf zu kritisieren.

Keine Antisemitismusdefinition ist ein Strafgesetz. Keine darf automatisch jede radikale Aussage verbieten. Trotzdem entscheidet der gewählte Rahmen darüber, welche Muster erkannt und welche ausgeblendet werden.

Die IHRA benennt ausdrücklich die Leugnung jüdischer Selbstbestimmung, doppelte Standards, Kollektivhaftung von Juden und klassische antisemitische Bilder in Bezug auf Israel. Die Jerusalemer Erklärung lässt radikaler Antizionismus- und Israelkritik größere Freiräume.

Genau diese Freiräume passen zur neuen Linie der Linksjugend.

Die Definitionsdebatte wirkt deshalb nicht neutral. Sie schafft einen politischen Schutzschirm für Positionen, die Israel delegitimieren, aber nicht mehr eindeutig als antisemitisch gelten sollen. Wer dagegen widerspricht, wird schnell verdächtigt, Kritik unterdrücken oder Palästinasolidarität kriminalisieren zu wollen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte diesen Kurs scharf. Josef Schuster warf der Linkspartei vor, nicht an der Seite der Juden in Deutschland zu stehen und aus Israelhass den Antisemitismus der Gegenwart zu verschweigen.

Diese Warnung darf man nicht einfach als Lobbyarbeit für eine israelische Regierung abtun. Sie kommt von der zentralen Vertretung jüdischer Gemeinden in Deutschland und betrifft die unmittelbare Erfahrung jüdischen Lebens.

Die radikale Sprache endet nicht bei offiziellen Beschlüssen

Im Juni 2026 berichteten der Bayerische Rundfunk und die Jüdische Allgemeine über Äußerungen aus einem internen Forum der Linksjugend. Dort sollen Funktionäre unter anderem von „israelischen Konzentrationslagern“ und einem „israelischen Genozid im Namen des Judentums“ gesprochen haben. Außerdem sei ein Bild mit der Parole „Israel verrecke“ veröffentlicht worden.

Diese Aussagen sind keine offiziellen Beschlüsse des gesamten Verbands. Das muss sauber getrennt werden. Die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner und mehrere Landespolitiker distanzierten sich ausdrücklich davon. Die Linksjugend erklärte, einzelne Äußerungen seien nicht automatisch Positionen des Gesamtverbands.

Trotzdem sind solche Vorfälle nicht bedeutungslos. Sie entstehen in einem Umfeld, in dem Israel bereits offiziell als rassistisches und koloniales Staatsprojekt beschrieben wird. Wer die Existenz des jüdischen Staates moralisch delegitimiert, darf sich nicht wundern, wenn einzelne Mitglieder die Sprache weiter radikalisieren.

Die offizielle Ideologie ist nicht identisch mit jeder extremen Äußerung. Sie kann aber den Boden bereiten, auf dem solche Äußerungen anschlussfähig werden.

Sympathisiert die Linksjugend mit Islamisten?

Eine pauschale Behauptung, die Linksjugend unterstütze offiziell Hamas oder Islamismus, wäre nicht sauber. Der Verband bezeichnet sich selbst als Gegner des Islamismus. Ältere Beschlüsse bewerteten die Solidarisierung mit Hamas und Hisbollah ausdrücklich als antisemitisch. Auch neuere Texte fordern teilweise die Freilassung der Geiseln.

Das entlastet den Verband jedoch nicht von einem grundlegenden Problem.

Relevante Teile der Linksjugend zeigen eine gefährliche politische Nachsicht gegenüber islamistischen Akteuren, sobald deren Gewalt in ein antiimperialistisches Narrativ passt.

Im zentralen Bundeskongressbeschluss von 2025 wird die Gründung und Geschichte Israels ausführlich als kolonial und rassistisch verurteilt. Hamas, das Massaker vom 7. Oktober und der islamistische Vernichtungsantisemitismus stehen dagegen nicht im Mittelpunkt der Analyse. Der palästinensische Kampf erscheint vor allem als Teil einer revolutionären Befreiungsbewegung gegen Imperialismus und Kapitalismus.

Das ist keine offene Liebeserklärung an Hamas. Es ist etwas politisch Raffinierteres: Der islamistische Charakter wichtiger Akteure verschwindet hinter dem moralisch aufgeladenen Begriff des Widerstands.

So entsteht eine absurde Zweckgemeinschaft. Linke Aktivisten, die für Frauenrechte, sexuelle Selbstbestimmung und säkulare Gesellschaften eintreten, relativieren Bewegungen, die genau diese Werte bekämpfen, sobald sich deren Gewalt gegen Israel richtet.

Der gemeinsame Nenner ist nicht ein gemeinsames Gesellschaftsbild. Der gemeinsame Nenner ist das Feindbild Israel.

Die Parteispitze widerspricht und folgt der Jugend zugleich

Nach dem radikalen Bundeskongressbeschluss von 2025 erklärten die damaligen Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken, die einseitige Perspektive der Linksjugend sei nicht mit der Parteilinie vereinbar. Auch Bundestagsabgeordnete wie Gregor Gysi und Dietmar Bartsch protestierten.

Das zeigt, dass Die Linke nicht geschlossen antisemitisch oder antizionistisch ist. In ihr existieren weiterhin Mitglieder, die Israels Existenzrecht verteidigen und den Antisemitismus im eigenen Lager klar benennen.

Doch die Abgrenzung blieb politisch begrenzt.

Der Bundesparteitag 2026 verabschiedete zwar den Beschluss „Gegen jeden Antisemitismus“. Darin werden Angriffe auf Juden verurteilt und Kollektivhaftung zurückgewiesen.

Nur wenige Tage zuvor beschloss die Partei jedoch eine Nahostlinie, die den Genozidvorwurf übernimmt, Boykotte und Sanktionen gegen Israel politisch öffnet und die deutsche Israelpolitik grundlegend verändern will.

Damit übernimmt die Partei nicht jede Formulierung ihrer Jugendorganisation. Sie bewegt sich aber deutlich in deren Richtung.

Die Linksjugend ist deshalb kein unbedeutender Anhang. Sie wirkt als Radikalisierungsdruck auf eine Partei, die gerade bei jungen Wählern stark ist und deren künftiges Personal aus genau diesem Milieu hervorgeht.

Antisemitismus trifft Juden nicht erst bei körperlicher Gewalt

Nach der Auswertung des Bundeskriminalamts wurden 2025 insgesamt 6.548 antisemitische Straftaten registriert. Der Bundesverband RIAS dokumentierte 8.725 antisemitische Vorfälle, durchschnittlich rund 24 pro Tag. In 68 Prozent der Fälle stellte RIAS israelbezogenen Antisemitismus fest.

Diese Zahlen lassen sich nicht einfach einer einzelnen Partei zurechnen. Antisemitismus kommt aus rechtsextremen, islamistischen, linken und anderen gesellschaftlichen Milieus.

Doch politische Sprache beeinflusst, was sagbar, akzeptabel und mobilisierbar wird.

Wenn eine große Jugendorganisation Israel als rassistisches Staatsprojekt bezeichnet, Zionismus delegitimiert und israelsolidarische Stimmen ausgrenzt, verstärkt sie ein Klima, in dem Juden unter Generalverdacht geraten. Sie liefert Begriffe, Deutungen und moralische Rechtfertigungen, die weit über Parteitage hinauswirken.

Menschen vor einem jüdischen Gemeindezentrum in Deutschland, während im Hintergrund Polizeischutz und abstrahierte digitale Hassbotschaften sichtbar sind
KI-Bild | Jüdischer Alltag in Deutschland ist vielerorts von Polizeischutz und digitaler Feindseligkeit begleitet.

Warum gerade die Linksjugend für Juden brandgefährlich ist

Die politische Rechte trägt den historischen und weiterhin gewaltbereiten Antisemitismus offen in sich. Islamistische Bewegungen verbreiten religiösen Judenhass und verherrlichen Terror gegen Israel. Beides wird in weiten Teilen der demokratischen Öffentlichkeit zumindest grundsätzlich als Gefahr erkannt.

Der Antisemitismus in Teilen der radikalen Linken funktioniert anders.

Er tritt als Menschenrechtspolitik auf. Er spricht von Befreiung, Antikolonialismus und Antifaschismus. Er behauptet, ausschließlich Machtverhältnisse zu kritisieren. Gerade deshalb kann er in Universitäten, Jugendverbänden, Kulturinstitutionen und sozialen Bewegungen besonders leicht gesellschaftliche Anerkennung gewinnen.

Die gefährlichste Form von Antisemitismus ist oft jene, die sich selbst für moralisch überlegen und vollkommen frei von Judenhass hält.

Die Linksjugend bildet junge politische Aktivisten aus, vernetzt sie, gibt ihnen Begriffe und vermittelt ihnen ein geschlossenes Weltbild. Wenn in diesem Weltbild Israel als rassistisches Projekt erscheint und Zionismus als moralischer Makel gilt, wird die Ausgrenzung jüdischer und israelsolidarischer Stimmen nicht als Diskriminierung erlebt. Sie erscheint als antifaschistische Pflicht.

Genau das macht den Verband brandgefährlich für jüdisches Leben in Deutschland.

Nicht jedes Mitglied ist antisemitisch. Nicht jede Aktivität ist gegen Juden gerichtet. Aber die offizielle politische Linie normalisiert Denkweisen, die Juden unter Druck setzen, ihre Verbindung zu Israel zu rechtfertigen oder zu verleugnen.

🗣️ Meine Einordnung

Für mich ist Die Linke derzeit die Bundestagspartei, in deren Umfeld israelbezogener Antisemitismus am stärksten als progressive Politik normalisiert wird. Die Linksjugend ist dabei nicht bloß ein peinlicher Randverband. Sie ist der ideologische Vortrupp.

Besonders verstörend ist der Bruch mit der eigenen Geschichte. 2015 wusste die Linksjugend noch, dass Genozidvorwürfe, Apartheidparolen, Boykottkampagnen und die Infragestellung Israels antisemitische Muster sein können. Heute erhebt sie genau diese Begriffe zur politischen Pflicht.

Das ist kein blinder Fleck mehr. Es ist eine bewusste politische Entscheidung.

Wer Zionismus pauschal zum Rassismus erklärt, verlangt von Juden praktisch, auf ihr Recht auf nationale Selbstbestimmung zu verzichten. Wer israelsolidarische Juden ausgrenzt und ihre Einwände als Repression behandelt, schützt nicht jüdisches Leben, sondern das eigene antiisraelische Weltbild.

Und wer islamistische Gewalt nur noch als Hintergrundrauschen eines angeblichen Befreiungskampfes behandelt, macht sich nicht automatisch zum Islamisten. Er trägt aber dazu bei, islamistischen Antisemitismus politisch zu verharmlosen.

Der Maßstab ist nicht die Selbstbeschreibung, sondern die Wirkung

Die Linksjugend bezeichnet sich selbst als antifaschistisch, antirassistisch und antisemitismuskritisch. Das ist ihr gutes Recht. Politische Organisationen werden jedoch nicht danach beurteilt, welche moralischen Etiketten sie sich geben, sondern danach, welche Positionen sie beschließen und welche Wirkung diese entfalten.

Ein Verband, der Israel als rassistisches Kolonialprojekt beschreibt, Zionismus delegitimiert, israelsolidarische Strukturen bekämpft und revolutionäre Palästinasolidarität zur Pflicht erklärt, kann sich nicht glaubwürdig hinter dem Satz verstecken, Antisemitismus habe bei ihm keinen Platz.

Antisemitismus verschwindet nicht dadurch, dass man ihn Antizionismus nennt.

Judenhass bleibt Judenhass, wenn Juden kollektiv für Israel verantwortlich gemacht werden. Delegitimierung bleibt Delegitimierung, wenn nur der jüdische Staat als grundsätzlich illegitim gilt. Ausgrenzung bleibt Ausgrenzung, wenn Juden nur akzeptiert werden, solange sie sich von Israel distanzieren.

Die demokratische Konsequenz muss deshalb klar sein: Die Partei Die Linke muss ihre Jugendorganisation nicht nur gelegentlich kritisieren. Sie muss entscheiden, ob die Delegitimierung jüdischer Staatlichkeit mit ihren eigenen Grundsätzen vereinbar ist.

Solange sie diese Entscheidung vermeidet, bleiben ihre Bekenntnisse zum Schutz jüdischen Lebens unglaubwürdig.

✔️ Zusammengefasst

Die Linksjugend bezeichnete 2015 Genozidvorwürfe, Apartheidparolen, Boykottbewegungen und die Infragestellung Israels selbst als antisemitische Positionen.

Seit 2025 vertritt sie zentrale Elemente dieser früher abgelehnten Positionen als offizielle Verbandslinie. Israel wird als koloniales und rassistisches Staatsprojekt beschrieben, Zionismus delegitimiert und ein uneingeschränktes Rückkehrrecht gefordert.

Mehrere Landesverbände verschärfen diesen Kurs. Israelsolidarische Strukturen werden ausgegrenzt, die Zweistaatenlösung abgelehnt und palästinensischer „Widerstandskampf“ politisch unterstützt.

Eine offizielle Unterstützung von Hamas lässt sich daraus nicht pauschal ableiten. Sehr wohl erkennbar ist aber eine gefährliche Nachsicht gegenüber islamistischen Akteuren, wenn deren Gewalt in das antiimperialistische Weltbild passt.

Die Linksjugend ist deshalb politisch brandgefährlich für jüdisches Leben: Sie normalisiert die Delegitimierung Israels, macht Zionismus zur Feindmarkierung und verschiebt antisemitische Muster in den Bereich vermeintlich legitimer progressiver Politik.

ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑

▶️ Linksjugend Solid, Bundesbeschluss 2015:
Gegen jeden Antisemitismus
Der Beschluss bezeichnet unter anderem Genozidvorwürfe gegen Israel, die Apartheid-Dämonisierung, die Infragestellung des Existenzrechts und Solidarität mit Hamas oder Hisbollah als antisemitisch.

▶️ Linksjugend Solid, Bundeskongress 2025:
Nie wieder zu einem Völkermord schweigen
Der Beschluss erklärt das israelische Staatsprojekt als kolonial und rassistisch, wirft Israel Apartheid und Genozid vor und verpflichtet Funktionsträger zur Vertretung dieser Linie.

▶️ Linksjugend Solid Berlin:
Solidarität mit Palästina
Der Landesverband erklärt Zionismus für unvereinbar mit seinen Grundwerten und distanziert sich vom israelsolidarischen Bundesarbeitskreis Shalom.

▶️ Linksjugend Solid Baden-Württemberg:
Beschlüsse des Landesverbands
Dokumentiert unter anderem Forderungen nach Ablehnung der Zweistaatenlösung, Auflösung des BAK Shalom, Sanktionen gegen Israel und Unterstützung palästinensischer Mobilisierung.

▶️ Linksjugend Solid, Bundesbeschluss 2025:
Für ein Ende des Genozids und für die Freiheit Palästinas
Belegt die weitere politische Linie des Bundesverbands, zugleich aber auch die Forderung nach Freilassung der Geiseln.

▶️ Die Linke, Parteivorsitzende:
Eine einseitige Perspektive bringt niemandem etwas
Stellungnahme der Parteispitze vom November 2025 zum radikalen Beschluss der Linksjugend.

▶️ Jüdische Allgemeine:
Bericht über antisemitische Äußerungen aus einem internen Forum der Linksjugend
Dokumentiert die Vorwürfe, die Distanzierung der Parteispitze und die Reaktion des Jugendverbands.

▶️ Die Linke, Bundesparteitag 2025:
Antisemitismus, Repression und Zensur bekämpfen
Beschluss zur Orientierung an der Jerusalemer Erklärung und zur Kritik an der IHRA-Arbeitsdefinition.

▶️ Die Linke, Bundesparteitag 2026:
Gegen jeden Antisemitismus
Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens und zur Zurückweisung antisemitischer Angriffe.

▶️ Die Linke, Nahost-Beschluss 2026:
Für gleiche Rechte im Nahen Osten und gegen jeden Rassismus und Antisemitismus
Dokumentiert die aktuelle Israel- und Nahostpolitik der Partei.

▶️ Zentralrat der Juden in Deutschland:
Linkspartei gegen die IHRA-Definition
Stellungnahme von Josef Schuster zum Parteitagsbeschluss der Linken.

▶️ International Holocaust Remembrance Alliance:
IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus
Originaltext und Beispiele der nicht rechtsverbindlichen Arbeitsdefinition.

▶️ Jerusalem Declaration on Antisemitism:
Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus
Originaltext und Leitlinien zur Abgrenzung von Antisemitismus und Israelkritik.

▶️ Bundeskriminalamt:
Politisch motivierte Kriminalität 2025
Belegt Zahl und Entwicklung antisemitischer Straftaten.

▶️ Bundesverband RIAS:
Antisemitische Vorfälle in Deutschland 2025
Dokumentiert Vorfälle, Erscheinungsformen und israelbezogenen Antisemitismus aus der Perspektive der Betroffenen.

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