Vor sechs Jahren unterzeichneten Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain in Washington die Abraham Accords. Der damals geschaffene Normalisierungsrahmen hat seitdem den 7. Oktober, den Gaza-Krieg, massive regionale Spannungen und inzwischen auch den Krieg mit Iran überstanden. Die Beziehungen entwickeln sich nicht überall gleich, aber sie bestehen weiter: Die VAE und Israel handeln in Milliardenhöhe miteinander, Bahrain hat nach einer Phase diplomatischer Distanz wieder einen israelischen Botschafter aufgenommen, Kasachstan ist beigetreten und Israel und Marokko haben gerade eine weitere Aufwertung ihrer Beziehungen vereinbart.
Am 15. September 2020 standen Israels damaliger Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate Abdullah bin Zayed Al Nahyan und Bahrains Außenminister Abdullatif bin Rashid Al-Zayani auf dem Rasen des Weißen Hauses. Unter Vermittlung der ersten Trump-Regierung unterzeichneten Israel, die VAE und Bahrain die Abraham Accords. Marokko folgte im Dezember 2020 mit einer eigenen Normalisierungsvereinbarung.
Seitdem ist der Rahmen breiter und gleichzeitig komplizierter geworden. Kasachstan trat ihm 2025 offiziell bei, obwohl das Land bereits seit Jahrzehnten diplomatische Beziehungen zu Israel unterhielt. Somaliland erklärte nach seiner Anerkennung durch Israel Ende 2025 die Absicht zum Beitritt. Das ist nicht dasselbe und sollte auch nicht so behandelt werden. Gerade diese Unterschiede zeigen, dass sich die Abraham Accords längst über ihre ursprüngliche Konstruktion von 2020 hinaus entwickelt haben.

Ein Bündnis, das eigentlich keines ist
Der Begriff Bündnis ist politisch griffig, juristisch aber ungenau. Die Abraham Accords sind kein gemeinsamer Verteidigungspakt und keine internationale Organisation mit festen Mitgliedschaftsregeln. Sie bestehen aus einer politischen Grundsatzerklärung und mehreren bilateralen Vereinbarungen zwischen Israel und einzelnen Staaten.
Die Abraham Accords bilden einen politischen Rahmen für diplomatische Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen Israel und arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Je nach Staat geht es um Diplomatie, Handel, Tourismus, Technologie, Sicherheit und gesellschaftlichen Austausch. Eine formale Militärallianz sind sie nicht.
Der eigentliche politische Bruch von 2020 lag auch nicht in einer Mitgliederzahl. Er lag in der Reihenfolge. Die Arabische Friedensinitiative von 2002 stellte normale Beziehungen der arabischen Staaten zu Israel in den Zusammenhang eines vorherigen umfassenden Friedens, einschließlich der Schaffung eines palästinensischen Staates. Die VAE und Bahrain gingen 2020 einen anderen Weg: Sie normalisierten ihre Beziehungen zu Israel, obwohl dieser Konflikt nicht gelöst war.
Damit wurde ein jahrzehntelang prägendes politisches Junktim zumindest von einzelnen arabischen Staaten aufgebrochen. Bilaterale Interessen, Handel, Sicherheit und regionale Zusammenarbeit konnten fortan unabhängig davon entwickelt werden, ob zuvor eine endgültige israelisch-palästinensische Regelung erreicht worden war.
Die Emirate: Aus der Unterschrift wurde messbare Zusammenarbeit
Bei den Vereinigten Arabischen Emiraten lässt sich sechs Jahre später ziemlich genau messen, was aus der Normalisierung geworden ist. Nach Angaben des Außenministeriums der VAE erreichte der bilaterale Warenhandel mit Israel 2025 rund 3,209 Milliarden US-Dollar. 2024 waren es 3,254 Milliarden Dollar. Die Zahlen beziehen sich ausdrücklich auf den von den Emiraten ausgewiesenen Warenhandel und sind deshalb nicht ohne Weiteres mit Statistiken vergleichbar, die andere Handelskomponenten oder Erfassungsmethoden verwenden. Selbst nach dem 7. Oktober und während des Gaza-Krieges brach der von den VAE ausgewiesene Warenhandel damit nicht ein, sondern blieb nahezu auf demselben Niveau.
Von September 2020 bis Mai 2026 summierte sich der bilaterale Warenhandel nach Angaben der Emirate auf rund 14,53 Milliarden Dollar. Von Januar bis Mai 2026 lag er mit 1,243 Milliarden Dollar noch einmal ungefähr ein Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das ist keine politische Absichtserklärung mehr, sondern eine wirtschaftliche Struktur.
Auch die Luftverbindungen zeigen eine ähnliche Entwicklung. 2025 reisten rund 1,53 Millionen Passagiere zwischen beiden Staaten, gegenüber etwa 892.000 im Jahr zuvor. Das entspricht einem Anstieg von gut 71 Prozent. Die Zahl direkter Flüge erreichte zeitweise 136 pro Woche, während die Emirate für normale Betriebsphasen von etwa 120 wöchentlichen Verbindungen sprechen.
Dazu kommt eine institutionelle Ebene. Israel und die VAE eröffneten 2021 Botschaften, und mit dem Comprehensive Economic Partnership Agreement, kurz CEPA, besteht ein formeller wirtschaftlicher Rahmen zum Abbau von Handelsbarrieren und zur Förderung von Investitionen. Die Beziehung hängt damit nicht mehr nur an einzelnen Regierungschefs oder symbolischen Besuchen.
Bahrain: deutlich kälter, aber nicht abgebrochen
Bahrain zeigt, dass Belastbarkeit nicht bedeutet, dass seit 2020 alles reibungslos verlief. Nach Beginn des Gaza-Krieges kehrte der bahrainische Botschafter im November 2023 aus Israel nach Manama zurück. Auch der israelische Botschafter verließ Bahrain. Die diplomatischen Beziehungen wurden jedoch nicht formell beendet.
Im August 2025 nahm Bahrains Außenminister Abdullatif bin Rashid Al-Zayani die Beglaubigung von Shmuel Revel als neuem israelischen Botschafter entgegen. Revel vertritt Israel auch sechs Jahre nach Unterzeichnung der Abraham Accords weiterhin in Manama. Der Unterschied zu den Emiraten ist damit deutlich: Während Abu Dhabi die Beziehungen wirtschaftlich und institutionell breit ausgebaut hat, verlief die Entwicklung in Bahrain politisch kühler und mit einer sichtbaren Unterbrechung auf Botschafterebene. Abgebrochen wurde sie nicht.

Der eigentliche Belastungstest begann nach dem 7. Oktober
Die Tragfähigkeit der Abraham Accords entscheidet sich nicht an der Unterzeichnung von 2020, sondern an dem, was danach geschah. Der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und der folgende Krieg in Gaza verschärften den politischen Druck auf arabische Regierungen erheblich. Die gesellschaftliche Unterstützung für eine Normalisierung mit Israel ging in Teilen der Region deutlich zurück.
Arab Barometer stellte in sieben 2023 und 2024 untersuchten Ländern fest, dass in keinem mehr als 13 Prozent der Befragten die Normalisierung mit Israel unterstützten. In Marokko fiel die Zustimmung von 31 Prozent im Jahr 2022 auf 13 Prozent. Für Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate lagen in dieser Erhebungswelle allerdings keine vergleichbaren Daten vor. Die Zahlen dürfen deshalb nicht einfach auf diese beiden Staaten übertragen werden. Sie zeigen aber den regionalen gesellschaftlichen Gegenwind, unter dem die Regierungen ihre Beziehungen zu Israel fortsetzten.
2026 wurde der Belastungstest noch härter. Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel auf der einen und Iran auf der anderen Seite erfasste auch die Golfregion. Raketen- und Drohnenangriffe trafen Ziele und Infrastruktur in mehreren Golfstaaten. Reuters berichtete im September über bis heute nicht vollständig wiederhergestellte Cloud-Infrastruktur von Amazon Web Services in Bahrain und einem Rechenzentrumsbereich der VAE nach kriegsbedingten Angriffsschäden.
Gleichzeitig gerieten beide großen Seewege der Region unter Druck. Iran schränkte den Verkehr durch die Straße von Hormus massiv ein. Im Jemen rückten die vom Iran unterstützten Houthis an der Küste des Roten Meeres vor und verstärkten den Druck auf den Bab al-Mandab. Angriffe auf Schifffahrt und saudische Energieinfrastruktur machten aus abstrakten Debatten über regionale Sicherheit eine unmittelbare wirtschaftliche Frage.
Eine konkrete Sicherheitsdimension besteht zwischen Israel und den Emiraten ebenfalls, ohne dass daraus eine Militärallianz wird. Das Außenministerium der VAE erklärte am 8. September 2026, Regierungsstellen beider Staaten hielten seit Beginn der Beziehungen offene und direkte Kommunikationskanäle. Relevante Geheimdienstinformationen würden bei Bedarf zwischen den zuständigen Stellen ausgetauscht. Das geht über bloße diplomatische Symbolik hinaus, ist aber etwas anderes als ein gemeinsamer Verteidigungspakt.
Dass Abu Dhabi seine Beziehungen zu Israel in diesem Umfeld nicht kappte und Bahrain nach der diplomatischen Abkühlung von 2023 wieder einen israelischen Botschafter aufnahm, ist deshalb ein aussagekräftigerer Befund als jede Jubiläumsrede. Die Beziehungen sind unterschiedlich tief und politisch unterschiedlich sichtbar, sie haben aber mehrere regionale Eskalationen überstanden.
Marokko macht aus dem Jahrestag eine aktuelle Nachricht
Wie wenig der sechste Jahrestag nur ein Blick zurück ist, zeigte sich bereits einen Tag später. Am 16. September 2026 traf Israels Außenminister Gideon Sa’ar in New York seinen marokkanischen Amtskollegen Nasser Bourita. Gastgeber des trilateralen Treffens war der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz.
Israel und Marokko vereinbarten dabei, ihre diplomatischen Vertretungen zu vollständigen Botschaften aufzuwerten und Botschafter auszutauschen. Reuters bestätigte die vereinbarte Aufwertung. Nach der gemeinsamen Erklärung sollen außerdem direkte Flugverbindungen durch israelische und marokkanische Fluggesellschaften noch 2026 wieder aufgenommen beziehungsweise erweitert werden. Abkommen zum Investitionsschutz und zur Vermeidung der Doppelbesteuerung sollen ebenfalls abgeschlossen werden.
Wichtig bleibt die zeitliche Genauigkeit: Die Aufwertung wurde vereinbart. Neue Botschafter waren zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch nicht eingesetzt und die Verbindungsbüros noch nicht vollständig in Botschaften umgewandelt.
Der politische Ausgangspunkt von 2020 war zudem nüchterner, als die häufig erzählte Geschichte kultureller Verbundenheit vermuten lässt. Marokko normalisierte seine Beziehungen zu Israel im Rahmen eines größeren amerikanisch vermittelten Pakets. Gleichzeitig erkannte die damalige US-Regierung die marokkanische Souveränität über die Westsahara an. Der internationale Status des Gebiets bleibt umstritten und Gegenstand eines ungelösten Konflikts.
Daneben besitzt die israelisch-marokkanische Beziehung eine historische und gesellschaftliche Dimension, die sich nicht auf diesen politischen Tausch reduzieren lässt. Jüdisches Leben gehört seit Jahrhunderten zur Geschichte Marokkos, und Hunderttausende Israelis haben marokkanische Familienwurzeln. Die heutige Aufwertung auf Botschaftsniveau steht damit auf zwei Fundamenten: einem sehr konkreten politischen Geschäft von 2020 und einer wesentlich älteren gesellschaftlichen Verbindung.
Kasachstan verändert, was ein Beitritt überhaupt bedeutet
Die deutlichste formale Erweiterung der jüngeren Vergangenheit kam nicht aus einem arabischen Staat. Am 7. November 2025 erklärte das Außenministerium Kasachstans offiziell den Beitritt des Landes zu den Abraham Accords.
Das ist bemerkenswert, weil Kasachstan bereits seit 1992 diplomatische Beziehungen zu Israel unterhält. Sein Beitritt stellte deshalb keine erstmalige Normalisierung dar. Vielmehr wurde der politische Rahmen der Abraham Accords über seine ursprüngliche Funktion hinaus erweitert: von der Herstellung neuer Beziehungen zwischen Israel und arabischen Staaten hin zu einer breiteren Plattform für Kooperation mit muslimisch geprägten Staaten.
Kasachstan begründete die Entscheidung mit seiner ausgewogenen Außenpolitik und dem Ziel, die Zusammenarbeit mit interessierten Staaten auszubauen. Gleichzeitig hält Astana an seiner Unterstützung einer Zwei-Staaten-Lösung fest. Auch das zeigt, dass ein Beitritt zu den Abraham Accords keine vollständige außenpolitische Übereinstimmung mit Israel voraussetzt.
Somaliland ist nicht Kasachstan und trotzdem strategisch interessant
Noch komplizierter ist die Lage bei Somaliland. Israel erkannte Somaliland am 26. Dezember 2025 als unabhängigen Staat an. Nach Angaben der Knesset erklärte Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi daraufhin, Somaliland werde den Abraham Accords beitreten. Im Juni 2026 besuchte Abdullahi Israel, kurz zuvor war eine Botschaft Somalilands in Jerusalem eröffnet worden.
Das sollte nicht mit dem kasachischen Schritt gleichgesetzt werden. Somaliland wird international nur sehr begrenzt als souveräner Staat anerkannt, und zwischen einer politischen Beitrittserklärung und einem vollständig dokumentierten formalen Aufnahmeprozess besteht ein Unterschied.
Geografisch ist der Fall trotzdem alles andere als nebensächlich. Somaliland liegt am Golf von Aden in unmittelbarer Nähe der südlichen Zufahrt zum Bab al-Mandab. Genau diese Meerenge steht durch die Houthi-Offensive und die Gefährdung internationaler Schifffahrt derzeit im Zentrum regionaler Sicherheitsfragen. Die politische Bedeutung Somalilands ergibt sich deshalb nicht nur aus seinem umstrittenen völkerrechtlichen Status, sondern auch aus seiner Lage an einem der wichtigsten Seewege zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa.
VAE und Bahrain nahmen 2020 diplomatische Beziehungen zu Israel auf. Marokko normalisierte seine Beziehungen kurz darauf. Kasachstan trat 2025 einem bestehenden Rahmen bei, obwohl diplomatische Beziehungen zu Israel schon seit Jahrzehnten bestanden. Somaliland hat seinen Beitritt erklärt, besitzt aber nur begrenzte internationale Anerkennung. Sudan wiederum unterzeichnete die Abraham-Accords-Erklärung, der vollständige Normalisierungsprozess mit Israel wurde jedoch nicht umgesetzt. Diese Fälle lassen sich nicht sinnvoll als identische „Mitgliedschaften“ zählen.
Sudan zeigt die Grenze einer bloßen Unterschrift
Sudan ist das Gegenbeispiel zu einer linearen Erweiterung. Khartum leitete 2020 und 2021 Schritte zur Normalisierung mit Israel ein und unterzeichnete die Abraham-Accords-Erklärung. Der Prozess wurde jedoch nicht vollständig umgesetzt. Die Bibliothek des britischen Unterhauses hielt 2025 fest, dass Sudan die Vereinbarungen nicht ratifiziert hatte.
Die politische Instabilität und der seit 2023 andauernde Bürgerkrieg ließen den Normalisierungsprozess praktisch zum Stillstand kommen. Der Fall zeigt, warum eine Liste von Staaten allein wenig aussagt. Entscheidend ist, ob aus einer Erklärung tatsächlich Botschaften, Verkehrsverbindungen, Handel und dauerhafte diplomatische Institutionen entstehen.

Saudi-Arabien: Washington setzt inzwischen einen konkreten Hebel an
Der politisch bedeutendste offene Fall bleibt Saudi-Arabien. Riad ist den Abraham Accords bislang nicht beigetreten. Die Trump-Regierung versucht inzwischen, den Beitritt mit einem sehr konkreten amerikanisch-saudischen Projekt zu verknüpfen.
Am 22. Juli 2026 unterzeichneten US-Energieminister Chris Wright und sein saudischer Amtskollege Prinz Abdulaziz bin Salman ein Abkommen über die zivile nukleare Zusammenarbeit nach Section 123 des US-Atomgesetzes. Es soll die rechtliche Grundlage für amerikanische Beteiligung am geplanten saudischen Kernenergieprogramm schaffen und muss das vorgeschriebene amerikanische Prüfverfahren durchlaufen.
Zwei Tage später zog US-Präsident Donald Trump öffentlich eine politische Verbindung zu Israel. Er erklärte, die Vereinigten Staaten würden mit dem Nuklearabkommen nicht fortfahren, solange Saudi-Arabien den Abraham Accords nicht beitrete. Reuters berichtete im September, dass das Abkommen inzwischen dem Kongress vorliegt und dort geprüft wird. Die von Trump genannte Normalisierungsbedingung steht nach Reuters-Angaben jedoch nicht im Vertragstext selbst.
Riad hält seinerseits öffentlich daran fest, dass eine Normalisierung mit Israel glaubwürdige und unumkehrbare Fortschritte in Richtung eines palästinensischen Staates voraussetzt. Genau hier schließt sich der Kreis zum ursprünglichen Bruch von 2020: Die Emirate und Bahrain lösten ihre Normalisierung damals von einer vorherigen endgültigen Lösung der Palästinafrage. Saudi-Arabien hat dieses Junktim bislang nicht aufgegeben.
Kuwait bleibt eine Erwartung, keine Nachricht
Auch andere Staaten werden regelmäßig als mögliche nächste Kandidaten genannt. Israels Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Yossi Shelley, sagte zum sechsten Jahrestag, innerhalb der kommenden vier bis sechs Monate könne möglicherweise ein weiterer Staat hinzukommen, und nannte Kuwait.
Mehr lässt sich daraus derzeit nicht machen. Es handelt sich um die Erwartung eines israelischen Diplomaten. Eine entsprechende Zusage Kuwaits, einen angekündigten Beitritt oder belastbar dokumentierte Abschlussverhandlungen gibt es bislang nicht.
Sechs Jahre später entscheidet die Substanz
Die Abraham Accords entwickeln sich nicht wie eine klassische internationale Organisation mit einer sauberen Mitgliederliste. Die einzelnen Beziehungen unterscheiden sich erheblich. Die VAE haben eine wirtschaftlich und institutionell messbare Partnerschaft mit Israel aufgebaut. Bahrain ging nach dem 7. Oktober diplomatisch auf Distanz, brach die Beziehungen aber nicht ab und nahm später wieder einen israelischen Botschafter auf. Marokko will seine Vertretungen nun auf Botschaftsniveau anheben. Kasachstan erweiterte den Rahmen, ohne zuvor eine Normalisierung zu benötigen. Somaliland will beitreten, besitzt aber einen völlig anderen internationalen Status. Sudan zeigt dagegen, wie wenig eine Unterschrift ohne Umsetzung bedeutet.
Sechs Jahre nach der Unterzeichnung lebt der Normalisierungsrahmen weiter, aber nicht als gleichförmig wachsender Block. Seine Bedeutung zeigt sich daran, welche bilateralen Beziehungen politische Krisen überstehen, institutionell verankert werden und tatsächlich weiter ausgebaut werden.
Die Vereinbarung zwischen Israel und Marokko vom 16. September 2026 liefert dafür den aktuellsten Beleg: Während ein Teil der ursprünglichen Prozesse stagniert und neue Beitritte sehr unterschiedliche Voraussetzungen haben, wird an anderer Stelle aus Normalisierung gerade eine tiefere diplomatische Beziehung.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ US-Außenministerium:
The Abraham Accords
Archivierte Originaldokumente und Grundsatzerklärung der 2020 geschlossenen Abraham Accords.
▶️ Vereinte Nationen:
Arab Peace Initiative
Dokumentation der Arabischen Friedensinitiative von 2002 und ihrer Verknüpfung von umfassendem Frieden, palästinensischer Staatlichkeit und normalen Beziehungen zu Israel.
▶️ Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate:
UAE-Israel Economic Cooperation
Aktuelle offizielle Zahlen zu bilateralem Warenhandel, Passagieraufkommen, Direktflügen und dem wirtschaftlichen Kooperationsrahmen zwischen Israel und den VAE.
▶️ Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate:
Statement by the UAE Ministry of Foreign Affairs in Response to Media Reporting
Offizielle Erklärung zu den seit Beginn der Beziehungen bestehenden direkten Kommunikationskanälen zwischen israelischen und emiratischen Regierungsstellen sowie zum Austausch relevanter Geheimdienstinformationen bei Bedarf.
▶️ Reuters:
Bahrain receives credentials of Israel’s new ambassador
Dokumentiert die Rückkehr des bahrainischen Botschafters 2023, den damaligen Abzug des israelischen Botschafters und die Aufnahme des neuen israelischen Botschafters 2025.
▶️ Arab Barometer:
MENA Publics and the Future of Normalization with Israel
Umfragedaten zur gesunkenen Unterstützung für Normalisierung nach dem 7. Oktober 2023. Für Bahrain und die VAE lagen in dieser Erhebungswelle keine vergleichbaren Daten vor.
▶️ Reuters:
War damage to cloud infrastructure in Bahrain and UAE
Aktueller Bericht über kriegsbedingte Schäden an Infrastruktur in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten während des Iran-Krieges.
▶️ Reuters:
Saudi pipeline attack and Houthi pressure on Red Sea shipping
Dokumentiert den aktuellen Druck auf saudische Energieinfrastruktur und die strategische Lage am Bab al-Mandab.
▶️ Reuters:
Israel, Morocco agree to upgrade diplomatic ties
Bericht vom 16. September 2026 über die vereinbarte Aufwertung der israelisch-marokkanischen Beziehungen auf Botschaftsniveau.
▶️ Weißes Haus, Archiv:
Proclamation on Recognizing the Sovereignty of the Kingdom of Morocco Over the Western Sahara
Primärquelle zur amerikanischen Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara im Zusammenhang mit der Normalisierung 2020.
▶️ Außenministerium Kasachstans:
Statement on the Accession to the Abraham Accords
Offizielle Erklärung zum Beitritt Kasachstans zu den Abraham Accords im November 2025.
▶️ Knesset:
Somaliland President Abdullahi visits the Knesset
Offizielle Angaben zur israelischen Anerkennung Somalilands, zur Eröffnung der Botschaft Somalilands in Jerusalem und zur erklärten Absicht Somalilands, den Abraham Accords beizutreten.
▶️ Department of Energy:
United States and Saudi Arabia Reach Nuclear Cooperation Agreement
Primärquelle zur Unterzeichnung des amerikanisch-saudischen 123-Abkommens am 22. Juli 2026.
▶️ Reuters:
Trump conditions Saudi nuclear deal on Abraham Accords
Dokumentiert Trumps öffentliche Verknüpfung des zivilen Nuklearabkommens mit einem saudischen Beitritt zu den Abraham Accords.
▶️ House of Commons Library:
Israel and the Abraham Accords in 2025: Five years on
Überblick über die Entwicklung der Normalisierungsvereinbarungen und den nicht abgeschlossenen sudanesischen Prozess.
▶️ The Jerusalem Post:
Six years on, Israel, UAE, Bahrain commemorate signing of Abraham Accords
Ausgangsbericht zum sechsten Jahrestag mit aktuellen Aussagen israelischer Diplomaten.
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