Der Fall „IMDbPro Israel“ betrifft einzelne Einträge des Branchendienstes, in denen israelische Filmvertriebe offenbar nicht mehr dem Vertriebsgebiet Israel zugeordnet werden. Stattdessen erscheinen dort Bezeichnungen wie „Palestinian Territories“ oder „Occupied Palestinian Territories“. Besonders brisant: Betroffene israelische Unternehmen erklären, ihre Verträge nannten ausdrücklich Israel.
Öffentlich gemacht wurde der Vorgang von Haaretz. Betroffen ist nach bisherigem Kenntnisstand nicht die gesamte Filmdatenbank IMDb, sondern der professionelle Branchendienst IMDbPro und dort insbesondere Angaben dazu, welche Unternehmen Vertriebsrechte für bestimmte Territorien besitzen.

Israelische Vertriebe widersprechen den Einträgen
Nach den vorliegenden Berichten tauchen die abweichenden Gebietsbezeichnungen unter anderem bei Filmen auf, die von israelischen Unternehmen wie Red Cape, Lev Cinema, New Cinemas oder United King vertrieben werden. Genannt werden beispielsweise die Produktionen „Runner“ und „Backrooms“.
Red Cape erklärte gegenüber Haaretz, man habe von der Darstellung nichts gewusst und wolle IMDb zur Korrektur auffordern. Die Verträge des Unternehmens seien nach eigener Aussage eindeutig und bezeichneten das erworbene Vertriebsgebiet mit einem einzigen Wort: Israel.
Auch Lev Cinema erklärte, die Angaben bei IMDbPro nicht selbst einzutragen. Diese würden nach Darstellung des Unternehmens von den Produzenten oder den internationalen Vertriebsgesellschaften beziehungsweise Sales Agents eines Films übermittelt. Die von Lev Cinema erworbenen Rechte beträfen laut den abgeschlossenen Verträgen die Distribution in Israel.
IMDbPro Israel: dieselbe Firma, zwei verschiedene Gebiete
Besonders auffällig ist, dass die Änderung offenbar nicht einmal innerhalb derselben Vertriebsgesellschaft einheitlich erscheint. Nach der Recherche von Haaretz wird Red Cape bei „Backrooms“ mit dem Vertriebsgebiet „Palestinian Territories“ geführt. Bei dem ebenfalls von Red Cape vertriebenen Film „Monitor“ erscheint dagegen weiterhin Israel.
Gerade diese Inkonsistenz macht den Fall IMDbPro Israel interessant. Sie spricht gegen die Behauptung, Israel sei bei IMDbPro grundsätzlich und flächendeckend durch eine andere Gebietsbezeichnung ersetzt worden. Gleichzeitig erschwert sie die Erklärung, es handle sich lediglich um eine einheitliche technische Umstellung der Datenbank. Warum vergleichbare Vertriebsrechte desselben Unternehmens unterschiedlich bezeichnet werden, bleibt offen.
Auch ein Cannes-Film ist betroffen
Ein weiteres Beispiel liefert der spanisch-französische Film „La bola negra“ von Javier Calvo und Javier Ambrossi. Der Film lief 2026 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Nach den Berichten über die IMDbPro-Einträge wird der israelische Verleiher New Cinemas dort als Vertriebsgesellschaft für die „Occupied Palestinian Territories“ geführt.
Damit beschränkt sich die Auffälligkeit nicht auf einzelne Produktionen von Red Cape. Vergleichbare Bezeichnungen erscheinen bei mehreren israelischen Vertrieben und verschiedenen internationalen Produktionen. Frei zugängliche Wiedergaben der Haaretz-Recherche nennen neben Red Cape und New Cinemas auch Lev Cinema und United King.
Wer änderte die Angaben?
Genau hier liegt der bislang ungeklärte Punkt. Die offiziellen IMDb-Richtlinien für Vertriebseinträge sehen Angaben zu Region, Jahr beziehungsweise Zeitraum und Vertriebsmedium vor. Erfasst werden können frühere und aktuelle Vertriebe in unterschiedlichen Medien und Territorien. Als Distributor gilt nach der IMDb-Definition unter anderem ein Unternehmen, das die rechtlichen Vertriebsrechte an einem Titel erworben hat.
Damit passt die Struktur grundsätzlich zu der Erklärung von Lev Cinema, dass solche Angaben nicht zwingend vom israelischen Verleiher selbst eingetragen werden. Produzenten, Rechteinhaber, Sales Agents oder andere Branchenbeteiligte können an der Datenpflege beteiligt sein.
Nach bisherigem Kenntnisstand bleiben deshalb mehrere Erklärungen möglich: IMDb könnte seine internen Gebietsbezeichnungen oder Zuordnungen geändert haben, Produzenten beziehungsweise internationale Vertriebspartner könnten entsprechende Daten eingetragen haben, oder mehrere Faktoren könnten zusammenspielen. Welche dieser Möglichkeiten zutrifft, ist nicht belegt.
Eine Erklärung von IMDb liegt bislang nicht vor. Nach der Haaretz-Recherche und deren internationalen Wiedergaben reagierte das Unternehmen auf die Anfrage zu den auffälligen Gebietsangaben nicht.
ℹ️ Wichtig zur Einordnung
Israel wurde nicht generell aus IMDb entfernt. Die öffentlich zugängliche IMDb-Datenbank führt Israel weiterhin als eigenes Produktionsland. Die derzeit dokumentierte Auffälligkeit betrifft einzelne Angaben zu Vertriebsgebieten innerhalb von IMDbPro.
„Occupied Palestinian Territories“ ist kein Synonym für Israel
Auch sprachlich handelt es sich nicht um eine belanglose Variante derselben geografischen Bezeichnung. In der Terminologie von UN-Stellen wie OCHA bezeichnet „Occupied Palestinian Territory“ das Westjordanland einschließlich Ostjerusalems und den Gazastreifen. Der Staat Israel fällt darunter nicht.
Für das Gebiet, das OCHA als „West Bank“ bezeichnet, wird im israelischen sowie im biblisch-historischen Sprachgebrauch die Bezeichnung Judäa und Samaria verwendet. Unabhängig von dieser unterschiedlichen Terminologie bleibt der entscheidende Punkt derselbe: Israel und das von OCHA als „Occupied Palestinian Territory“ bezeichnete Gebiet sind keine austauschbaren geografischen Angaben.
Wenn ein israelischer Kinoverleih vertraglich Rechte für den Markt Israel erwirbt und dieser Vertrag bei IMDbPro einem als „Occupied Palestinian Territories“ bezeichneten Gebiet zugeordnet wird, verändert das die geografische Aussage des Datensatzes.
Mehr als eine belanglose Metadatenfrage
Gerade bei Vertriebsrechten ist die territoriale Bezeichnung keine dekorative Fußnote. Sie beschreibt, für welchen Markt ein Unternehmen Rechte erworben hat. Dass innerhalb derselben Datenbank und teilweise sogar beim selben israelischen Vertrieb unterschiedliche Gebietsangaben auftauchen, macht den Vorgang erklärungsbedürftig.
Beim Fall IMDbPro Israel wäre es nach dem derzeitigen Faktenstand falsch, von einer systematischen Löschung Israels aus der gesamten Plattform zu sprechen. Ebenso voreilig wäre es, die dokumentierten Abweichungen als bedeutungslosen Datenbankfehler abzutun. Mehrere israelische Verleiher sagen, ihre Verträge nennen Israel, während IMDbPro bei einzelnen Filmen andere Territorien ausweist. Solange IMDb nicht erklärt, wie diese Einträge entstanden sind, bleibt genau dieser Widerspruch bestehen.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ Haaretz:
IMDb replaces the name Israel with the Occupied Palestinian Territories
Ausgangsrecherche zu den unterschiedlichen Vertriebsangaben bei IMDbPro, den betroffenen Filmen und den Reaktionen israelischer Filmvertriebe.
▶️ IMDb:
IMDb-Ländersuche Israel
Belegt, dass Israel in der öffentlich zugänglichen IMDb-Datenbank weiterhin als eigenes Produktionsland geführt wird.
▶️ IMDb Help:
IMDb-Richtlinien zu Distributoren und Vertriebsgebieten
Offizielle Beschreibung der Vertriebsdaten mit Angaben zu Territorium, Zeitraum, Medium und rechtlichen Vertriebsrechten.
▶️ Festival de Cannes:
La bola negra
Offizielle Cannes-Seite zum Film von Javier Calvo und Javier Ambrossi, der 2026 im Wettbewerb des Festivals gezeigt wurde.
▶️ LiFO:
IMDb αντικατέστησε το όνομα Ισραήλ με τον όρο «Κατεχόμενα Παλαιστινιακά Εδάφη»
Frei zugängliche Zweitwiedergabe der Haaretz-Recherche mit Angaben zu betroffenen Filmen und Stellungnahmen israelischer Vertriebe.
▶️ UN OCHA:
The West Bank including East Jerusalem, and the Gaza Strip
OCHA verwendet „Occupied Palestinian Territory“ für das Westjordanland einschließlich Ostjerusalems und den Gazastreifen. Der Staat Israel wird damit nicht bezeichnet.
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