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Die Hamas hat Europa offenbar längst nicht nur als Rückzugsraum, Finanzierungsbasis oder politisches Hinterland genutzt. Deutsche Ermittlungen und Gerichtsverfahren zeichnen inzwischen ein anderes Bild: geheime Strukturen, Waffendepots, Auslandsoperateure und ein konkreter Anschlagsplan gegen israelische, jüdische und pro-israelische Ziele.
Der geplante Anschlag sollte Anfang Oktober 2025 stattfinden, in unmittelbarer Nähe zum zweiten Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023. Am 1. Oktober griffen deutsche Ermittler zu. Zu diesem Zeitpunkt waren nach Angaben der Bundesanwaltschaft bereits ein funktionsfähiges vollautomatisches Gewehr, 13 funktionsfähige Pistolen und mehr als 700 Schuss Munition beschafft worden.
Ausgangspunkt dieses Beitrags ist die am 20. September 2026 veröffentlichte Recherche des Journalisten Benjamin Weinthal für Fox News. Weinthal führt die deutschen Ermittlungsverfahren, Erkenntnisse zu europäischen Hamas-Strukturen und internationale Verbindungen zu einem Gesamtbild zusammen. Deutsche Ermittlungsbehörden, Verfassungsschutz und das Berliner Kammergericht liefern dazu eine Reihe belastbarer Bestätigungen und zusätzlicher Details.

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Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivVon Waffendepots zum konkreten Anschlagsplan
Besonders deutlich wird das Ausmaß, wenn man zwei deutsche Staatsschutzverfahren nebeneinanderlegt. Das erste dokumentiert eine über Jahre aufgebaute operative Infrastruktur der Hamas in Europa. Das zweite betrifft den Vorwurf, dass aus dieser europäischen Infrastruktur spätestens 2025 eine konkrete Anschlagsplanung geworden war.
Verfahren 1: Waffendepots und Auslandsoperateure
Am 25. März 2026 verurteilte das Berliner Kammergericht vier Männer wegen ihrer Tätigkeit als Auslandsoperateure der Hamas zu Freiheitsstrafen zwischen viereinhalb und sechs Jahren. Das Urteil war bei seiner Verkündung noch nicht rechtskräftig.
Nach den Feststellungen des Staatsschutzsenats hatte der militärische Flügel der Hamas bereits vor längerer Zeit Waffendepots in mehreren europäischen Staaten angelegt oder anlegen lassen. Die Angeklagten waren unter anderem damit beauftragt worden, Depots in Polen, Dänemark und Bulgarien ausfindig zu machen, Waffenbestände zu überprüfen und die Verstecke für die Organisation verfügbar zu halten.
Die Weisungen kamen nach den Feststellungen des Gerichts von einem hochrangigen Hamas-Funktionär im Libanon. Das Gericht stützte sein Urteil unter anderem auf umfangreiche Kommunikation, ausgewertete Datenträger, Zeugenaussagen und weitere Beweismittel. Der Prozess dauerte 53 Hauptverhandlungstage.
Ein konkreter Anschlagsplan auf europäischem Boden konnte in diesem Verfahren nicht festgestellt werden. Die operative Infrastruktur dagegen schon.
Europäische Waffendepots und der konkrete Anschlagsplan
Am 8. September 2026 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Anklage gegen sieben Männer. Ihnen werden unter anderem Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung Hamas und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen.
Nach der Anklage hatte der militärische Flügel der Hamas seine europäischen Waffendepots bereits zuvor aufgebaut. Spätestens im Juli 2025 soll ein konkreter Anschlagsplan für einen Mordanschlag in Deutschland oder Österreich vorgelegen haben. Als mögliche Ziele nennt die Bundesanwaltschaft Vertreter Israels, Menschen jüdischen Glaubens und Personen mit pro-israelischer Haltung.
Damit folgt auf das gerichtlich dokumentierte Netz aus Waffendepots und Auslandsoperateuren nun der Vorwurf einer konkreten Anschlagsplanung.

Festnahmen nach Sicherstellung großer Waffenbestände
Wie weit die Vorbereitungen nach Darstellung der Bundesanwaltschaft bereits fortgeschritten waren, zeigt der Zeitpunkt der ersten Festnahmen. Abed Al G., Wael F.M. und Ahmad I. wurden am 1. Oktober 2025 in Berlin festgenommen, sechs Tage vor dem Jahrestag des Hamas-Massakers in Israel.
Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Gruppe nach Angaben der Bundesanwaltschaft bereits über ein funktionsfähiges vollautomatisches Gewehr, 13 funktionsfähige Pistolen und mehr als 700 Schuss Munition.
Ein weiterer Mann gehört unmittelbar in dieses Bild, obwohl er nicht zu den sieben Angeklagten dieses Verfahrens zählt. Der gesondert verfolgte Mohammed A. soll eine herausgehobene Rolle gespielt haben. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft brachte er einen Teil der Waffen nach Wien und lagerte sie dort ein. Am 3. November 2025 ließ ihn die Bundesanwaltschaft im Wege der Rechtshilfe in London festnehmen. Zum Zeitpunkt der Anklage war er noch nicht nach Deutschland überstellt worden.
Auch Benjamin Weinthal hebt diesen grenzüberschreitenden Teil der Struktur hervor. Berichte über die 214 Seiten umfassende Anklageschrift beschreiben mehrere Beschaffungswege innerhalb Europas. Die öffentlich bekannte Struktur führte dabei unter anderem über Deutschland nach Österreich und wurde nach Darstellung der Ermittler teilweise aus dem Libanon koordiniert.
Der Österreich-Strang endete nicht bei einer Adresse in den Ermittlungsakten. Am 6. November 2025 teilte die österreichische Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst mit, in einem angemieteten Lagerraum in Wien ein Waffenversteck ausgehoben zu haben. In einem Koffer wurden fünf Faustfeuerwaffen und zehn Magazine sichergestellt. Die DSN ordnete das Lager auslandsoperativen Strukturen der Hamas zu und erklärte, es habe der Verdacht bestanden, dass die Waffen für mögliche Terroranschläge gegen israelische oder jüdische Einrichtungen in Europa bereitgehalten wurden.
⚠️ Rechtlicher Stand
Gegen die sieben Männer wurde Anklage erhoben. Über ihre individuelle strafrechtliche Schuld entscheidet das Gericht. Die dargestellten Tatvorwürfe beruhen auf den Ermittlungen und der Anklage der Bundesanwaltschaft. Mohammed A. wird gesondert verfolgt.
Das Bekennervideo war bereits vorbereitet
Der geplante Zeitpunkt war kein beiläufiges Detail. Generalbundesanwalt Jens Rommel machte bereits im Juni 2026 öffentlich, dass bei einem Beschuldigten ein vorgefertigtes Bekennervideo sichergestellt worden war. Darin wurde nach seinen Angaben ein Anschlag um den zweiten Jahrestag des 7. Oktober angekündigt.
Die Bundesanwaltschaft nennt Mohammed A. in ihrer späteren Anklagemitteilung ausdrücklich als Urheber eines vorab erstellten Bekennervideos, in dem der geplante Anschlag im Namen der Hamas angekündigt worden sei.
Das Datum, die vorhandenen Waffen, die grenzüberschreitende Lagerung und ein vorbereitetes Bekennervideo ergeben zusammen das Bild einer Planung, die nach Auffassung der Ermittler weit über allgemeine Unterstützungsaktivitäten hinausging.
Eine Vertrauensperson im untersuchten Beschaffungskomplex
⚠️ Der Verfassungsschutz-Komplex
Nach Recherchen von „DIE ZEIT“, „WELT“ und weiteren deutschen Medien war einer der sieben Angeklagten zugleich Vertrauensperson des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Auch Benjamin Weinthal greift diesen Befund in seinem Fox-News-Bericht auf. Der Mann soll weiterhin Kontakt zu seinem V-Mann-Führer gehabt haben, während er nach dem Tatvorwurf an der Beschaffung von Munition beteiligt war.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz bestätigte gegenüber den Ermittlern die Quellenführung. Nach Darstellung der Behörde wurde der Mann jedoch zu keinem Zeitpunkt im Zusammenhang mit dem geplanten Anschlag vom BfV gesteuert.
Der Vorgang zeigt, wie tief der Beschuldigte zugleich in ein nachrichtendienstlich beobachtetes Umfeld und nach dem Tatvorwurf in den Beschaffungskomplex eingebunden war. Offen bleibt, was der Verfassungsschutz über die konkreten Aktivitäten seiner Quelle wusste und wann die Dimension des Vorgangs erkennbar wurde.
Für die Bewertung des Falls ist dieser Punkt erheblich. Deutsche Sicherheitsbehörden hatten offenbar Zugang zu einer Person mitten in dem untersuchten Umfeld. Gleichzeitig soll gerade diese Person den Ermittlungen zufolge selbst Teil des Beschaffungskomplexes gewesen sein. Die weitere Aufarbeitung dürfte deshalb auch für die Arbeit des Verfassungsschutzes unangenehme Fragen aufwerfen.

Das Netzwerk endet nicht an der deutschen Grenze
Weinthals Recherche macht deutlich, dass Deutschland nur ein Teil des Bildes ist. Bereits das März-Urteil des Kammergerichts dokumentiert Waffendepots beziehungsweise Suchaufträge in Bulgarien, Dänemark und Polen. Die neue Anklage führt zusätzlich nach Österreich, während ein an die Hamas-Führungsebene angebundener Beschuldigter in Großbritannien festgenommen wurde.
Die Bundesanwaltschaft beschreibt Mohammed A. als an die Führungsebene der Hamas angebunden. Berichte über die Anklageschrift nennen außerdem eine Koordination einzelner Beschaffungsvorgänge aus dem Libanon. Auch Fox News greift diese grenzüberschreitende Steuerung auf.
Das Muster ist klar erkennbar: Führung und Koordination außerhalb Deutschlands, Akteure innerhalb mehrerer europäischer Staaten, verdeckte Waffeninfrastruktur und mögliche Anschlagsziele mit Bezug zu Israel und jüdischem Leben.
Bis zu 650 Hamas-Operateure in Deutschland
Auch die Größenordnung des Hamas-Netzwerks verdient Aufmerksamkeit. Fox News berichtet unter Berufung auf deutsche Verfassungsschutzangaben, dass sich 2025 bis zu 650 Hamas-Operateure in Deutschland befunden haben könnten. Für 2024 nennt Benjamin Weinthal 550, für 2023 rund 450.
Deutsche Verfassungsschutzangaben stützen diese Größenordnung. Der Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz beziffert das bundesweite Hamas-Personenpotenzial Ende 2025 ebenfalls auf rund 650 Personen. Zugleich hält die Behörde fest, dass die Hamas in zahlreichen Staaten, darunter Deutschland, Aktivitäten und geheime Organisationsstrukturen entwickelt hat.
Besonders relevant ist dabei, dass diese Verbindungen nach Angaben des Verfassungsschutzes aus taktischen Gründen nach außen häufig nicht erkennbar sind. Die Organisation verfügt damit nicht nur über ein erhebliches Personenpotenzial, sondern arbeitet zugleich mit Strukturen, deren Verbindung zur Hamas bewusst verborgen bleibt.
Die Strafverfahren zeigen, wohin solche verdeckten Strukturen reichen können: Auslandsoperateure, Waffenbeschaffung, Depots in mehreren europäischen Staaten und nach der aktuellen Anklage ein konkreter Anschlagsplan in Deutschland oder Österreich.
Das Betätigungsverbot kam erst nach dem Massaker
Die Hamas stand bereits lange auf der EU-Terrorliste. Ein ausdrückliches Betätigungsverbot in Deutschland wurde jedoch erst am 2. November 2023 verhängt, knapp vier Wochen nach dem Massaker vom 7. Oktober.
Benjamin Weinthal zitiert dazu den deutschen Journalisten und Buchautor Sascha Adamek. Seine Kritik fällt deutlich aus: Frühere Bundesregierungen hätten Hamas und ihren Vorfeldorganisationen ermöglicht, Deutschland als Rückzugsraum für Spendensammlungen, Rekrutierung und Radikalisierung zu nutzen, solange die Organisation hierzulande nicht offen gewalttätig auftrat.
Die mittlerweile bekannten Ermittlungen geben dieser Debatte erhebliches Gewicht. Die europäischen Waffenstrukturen entstanden nicht erst nach dem 7. Oktober 2023. Das Berliner Kammergericht dokumentierte Aktivitäten, die mindestens bis 2019 zurückreichen.
Europa hatte damit ein Hamas-Problem, lange bevor der Terror des 7. Oktober die Organisation wieder ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rückte.
Vom Rückzugsraum zum Terrorziel
Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, fasste die Entwicklung nach Bekanntwerden der neuen Anklage gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland in einem Satz zusammen: Deutschland habe sich für die Hamas vom Rückzugsraum zum aktiven Terrorziel entwickelt.
Die Aussage ist eine politische Einordnung. Die Fakten darunter stammen jedoch aus deutschen Ermittlungen und Gerichtsverfahren: europäische Waffendepots, verurteilte Auslandsoperateure, grenzüberschreitende Waffenlagerung, ein vorbereitetes Bekennervideo und der Vorwurf, dass ein konkreter Anschlagsplan bestand.
Hinzu kommt ein Hamas-Personenpotenzial von rund 650 Menschen sowie die ausdrückliche Feststellung des Verfassungsschutzes, dass die Organisation in Deutschland geheime Organisationsstrukturen entwickelt hat und Verbindungen nach außen bewusst verschleiert werden.
Benjamin Weinthals Recherche steht nicht allein. Deutsche Ermittlungsbehörden, Verfassungsschutz und ein Berliner Staatsschutzsenat liefern wesentliche Teile desselben Bildes: Die Hamas verfügt in Europa über gewachsene Netzwerke, verdeckte Strukturen und eine gerichtlich dokumentierte operative Infrastruktur.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob die Hamas Europa als Operationsraum betrachtet. Dafür gibt es inzwischen zu viele konkrete Befunde. Die Frage ist, wie weit diese Strukturen reichen und wie viele davon den europäischen Sicherheitsbehörden bislang noch nicht bekannt sind.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ Benjamin Weinthal / Fox News:
Hamas allegedly built weapons depots across Europe, planned terror attacks as Oct 7 anniversary neared
Originaler Ausgangsbeitrag von Benjamin Weinthal vom 20. September 2026 zu europäischen Hamas-Strukturen, der Anklage in Deutschland und den internationalen Verbindungen.
X-Profil von Benjamin Weinthal
▶️ Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof:
Anklage im Zusammenhang mit Waffenbeschaffungen für die ausländische terroristische Vereinigung Hamas erhoben
Amtliche Originalmitteilung vom 11. September 2026 zur Anklage gegen sieben Beschuldigte, zum geplanten Anschlag, zu den Waffenbeständen, Mohammed A., der Lagerung in Wien und dem vorbereiteten Bekennervideo.
▶️ Kammergericht Berlin:
Kammergericht stuft die Hamas als terroristische Vereinigung im Ausland ein
Gerichtliche Feststellungen vom 25. März 2026 zu Hamas-Auslandsoperateuren, Waffendepots in Europa und der Steuerung durch einen hochrangigen Hamas-Funktionär im Libanon.
▶️ Österreichisches Bundesministerium für Inneres / DSN:
DSN stellt in Wien Waffen in einem terroristischen Zusammenhang sicher
Amtliche Mitteilung vom 6. November 2025 zum ausgehobenen Waffenversteck in Wien, den dort sichergestellten Waffen und der Festnahme eines 39-jährigen britischen Staatsbürgers am 3. November 2025 in London.
▶️ DIE ZEIT:
Mutmaßlicher Hamas-Terrorist war V-Mann des Verfassungsschutzes
Recherche von Holger Stark vom 25. April 2026 zur Tätigkeit von Mohammad S. als Vertrauensperson des Bundesamtes für Verfassungsschutz und zu seiner mutmaßlichen Rolle bei der Beschaffung von Munition.
▶️ WELT:
Zwei Jahre nach dem 7. Oktober wollte die Hamas den Terror in Berlin und Wien wiederholen
Recherche von Per Hinrichs zur 214 Seiten umfassenden Anklageschrift des Generalbundesanwalts, den mutmaßlichen Anschlagsplanungen und der Rolle des Verfassungsschutzes.
▶️ WELT:
Verdächtiger in Berliner Terror-Plot soll Sohn von Hamas-Führungskader sein
Recherche vom 10. November 2025 zu Mohammed A., seiner Festnahme in London, dem Wiener Waffenlager und seinen mutmaßlichen Verbindungen zur Hamas-Führungsebene.
▶️ Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz:
Islamistischer Terrorismus und Hamas-Strukturen in Deutschland
Behördenangaben zur Größenordnung von rund 650 Personen im bundesweiten Hamas-Personenpotenzial Ende 2025 sowie zu geheimen Organisationsstrukturen der Hamas in Deutschland.
▶️ RedaktionsNetzwerk Deutschland:
Sieben mutmaßliche Hamas-Waffenbeschaffer in Berlin angeklagt
Quelle für die Aussagen von Israels Botschafter Ron Prosor zur Entwicklung Deutschlands vom Rückzugsraum zum aktiven Terrorziel.
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