00:00 / –:–
Am 7. Oktober 2023 erlitt Israel das schwerste Sicherheitsversagen seiner Geschichte. Die Hamas ermordete rund 1.200 Menschen und verschleppte 251 Geiseln nach Gaza. Drei Jahre später sieht die militärische Lage grundlegend anders aus: Hamas und Hisbollah sind schwer geschwächt, Irans militärische und nukleare Infrastruktur wurde massiv getroffen und Teherans regionaler Machtverbund hat an Schlagkraft verloren. Diese Veränderung geschah unter der Regierung von Benjamin Netanjahu und auf Grundlage politischer Entscheidungen, die trotz enormen internationalen Drucks durchgesetzt wurden.
Uri Geller hat in einem Kommentar für die Jerusalem Post ausgesprochen, was viele Anhänger Netanjahus denken. Er nennt ihn Israels Churchill und sieht in ihm den Politiker, der den begonnenen Kurs zu Ende führen müsse. Den Personenkult braucht es für diese Argumentation nicht. Die sicherheitspolitischen Ergebnisse reichen völlig aus.
Kurz vor der Wahl am 27. Oktober 2026 stellt sich deshalb eine einfachere Frage: Wie hat sich Israels strategische Lage unter Netanjahus Führung verändert? Die Antwort ist deutlich. Israel steht seinen wichtigsten Gegnern heute militärisch stärker gegenüber als unmittelbar nach dem 7. Oktober.

Passende X-Beiträge
Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivHamas und Hisbollah haben ihre frühere Stärke verloren
Die Hamas begann den Krieg mit dem Massaker vom 7. Oktober. Israels Antwort hat ihre militärischen Strukturen schwer getroffen. Führungspersonal wurde ausgeschaltet, Infrastruktur zerstört und die Fähigkeit zu einem organisierten Angriff in der Größenordnung des 7. Oktober massiv beschädigt.
Das Jewish People Policy Institute beschreibt Hamas 2026 als erheblich geschwächt und weit von ihrer früheren militärischen Leistungsfähigkeit entfernt. Die Organisation existiert weiter und verfügt noch über bewaffnete Strukturen. Der entscheidende Befund bleibt: Die Hamas von heute ist militärisch nicht mehr die Hamas vom 6. Oktober 2023.
Noch deutlicher ist die Veränderung im Norden. Die Hisbollah verlor große Teile ihrer Führung, tausende Kämpfer und erhebliche Teile ihrer militärischen Fähigkeiten. Am 27. September 2024 tötete Israel Hassan Nasrallah, den langjährigen Generalsekretär der Organisation. Mit ihm fiel einer der wichtigsten Köpfe des iranischen Machtapparates im Nahen Osten.
Israel griff außerdem Waffenlager, Raketenstellungen, Kommandoeinrichtungen und weitere militärische Strukturen der Hisbollah an. Die jahrelang aufgebaute Drohkulisse an Israels Nordgrenze wurde schwer beschädigt.
Diese Operationen wurden von Soldaten, Mossad, Shin Bet und militärischen Planern ausgeführt. Die politische Verantwortung für die strategische Richtung, die Freigabe zentraler Operationen und die Fortsetzung des Krieges trotz massiven internationalen Drucks lag bei Netanjahus Regierung.
Das ist der Punkt, an dem politische Führung messbar wird.
Der Krieg erreichte das iranische Machtzentrum
Am 28. Februar 2026 erreichte die Auseinandersetzung eine neue Stufe. Israel und die Vereinigten Staaten griffen gemeinsam Ziele im Iran an. Reuters berichtete über die gemeinsame Operation und die gezielten Angriffe auf die iranische Führung.
Ajatollah Ali Chamenei wurde dabei getötet. Auch weitere hochrangige Vertreter des iranischen Machtapparates starben, darunter nach israelischen Angaben Revolutionsgarden-Kommandeur Mohammad Pakpour und der frühere Sicherheitschef Ali Shamkhani.
Die amerikanische Beteiligung gehört zur Faktenlage. Sie nimmt Israel nichts von seiner strategischen Rolle.
Netanjahu hatte die iranische Bedrohung über Jahre zum Kern seiner Außen- und Sicherheitspolitik gemacht. Er warnte vor dem iranischen Atomprogramm, vor dem Ausbau ballistischer Raketen und vor Teherans Strategie, Israel durch bewaffnete Stellvertreter einzukreisen.
2026 wurde diese Strategie nicht mehr nur eingedämmt. Sie wurde direkt angegriffen.
Der Erfolg ist nur dauerhaft, wenn Iran seine militärischen, nuklearen und raketentechnischen Fähigkeiten nicht ungestört wiederaufbauen kann. Genau darin liegt die nächste Aufgabe israelischer Sicherheitspolitik.

Israels Feinde registrierten die innere Spaltung
Die politische Krise um die Justizreform im Jahr 2023 war nicht nur ein innenpolitischer Konflikt. Israels Gegner beobachteten genau, was im Land geschah.
Eine Analyse des Institute for National Security Studies beschreibt, dass Hamas und andere Gegner Israels die inneren Spannungen und Zweifel an der gesellschaftlichen Geschlossenheit als Schwächung wahrnahmen. Hochrangige Militär- und Geheimdienstvertreter hatten vor Schäden für die Abschreckung gewarnt.
Die Hamas hatte den Angriff vom 7. Oktober über längere Zeit vorbereitet. Die Täterschaft liegt bei der Hamas und den weiteren beteiligten Terroristen. Israels politische und gesellschaftliche Zerstrittenheit floss jedoch in die Einschätzung seiner Gegner ein und verstärkte deren Eindruck eines günstigen Zeitfensters.
Wer öffentlich den Eindruck vermittelt, ein Land sei politisch gelähmt, Reservisten könnten ihren Dienst verweigern und staatliche Institutionen seien dauerhaft miteinander beschäftigt, muss damit rechnen, dass Feinde daraus ihre eigenen strategischen Schlüsse ziehen.
Terrororganisationen interessiert keine innenpolitische Theorie. Sie suchen Schwäche.
Der 7. Oktober 2023 bleibt ein israelisches Sicherheitsversagen
Die Verantwortung für das Massaker trägt die Hamas. Das Versagen, diesen Angriff zu verhindern, war israelisch.
Die Untersuchungen der israelischen Streitkräfte beschreiben schwerwiegende Fehleinschätzungen bei der Bewertung der Hamas, der Verteidigungsbereitschaft und der Reaktion auf Warnsignale vor dem Angriff. Auch die frühere Eindämmungsstrategie gegenüber Gaza ist gescheitert.
Die Praxis, qatarische Gelder nach Gaza fließen zu lassen, reichte über mehrere israelische Regierungen hinweg. Unter Netanjahus Regierung wurden ab 2018 direkte Bargeldtransfers mit israelischer Zustimmung zugelassen. Ein späterer Faktencheck zur Finanzierungspolitik gegenüber Gaza dokumentiert diese Praxis und die späteren Änderungen des Zahlungsmechanismus.
Das dahinterstehende Konzept scheiterte. Die Hamas nutzte die Jahre der vermeintlichen Ruhe nicht für Frieden. Sie bereitete Krieg vor.
Für Netanjahus Bilanz bedeutet das: Der 7. Oktober bleibt das schwerste Versagen seiner Amtszeit. Seine Antwort darauf gehört ebenso in die Bilanz. Unter seiner Regierung wurde anschließend eine militärische Strategie umgesetzt, die Hamas, Hisbollah und Iran in einem Ausmaß traf, das vor dem 7. Oktober kaum jemand erwartet hatte.
Alle 251 Verschleppten sind zurück
251 Menschen wurden am 7. Oktober aus Israel verschleppt. Am 26. Januar 2026 wurden die sterblichen Überreste von Ran Gvili, der letzten noch in Gaza befindlichen Geisel des 7. Oktober, nach Israel zurückgebracht. Damit befand sich keine der damals verschleppten Personen mehr in Gaza.
Viele kehrten lebend zurück. Andere wurden nur noch tot nach Hause gebracht. Das ist keine Nebensache der Kriegsbilanz. Ein Staat, dessen Bürger verschleppt wurden, hat die Pflicht, sie zurückzuholen. Israel hielt an diesem Ziel fest, militärisch und durch Verhandlungen. Der Preis war hoch. Das Ergebnis gehört trotzdem zur Bilanz.
Die Abraham-Abkommen haben den Krieg überstanden
Netanjahus außenpolitische Bilanz endet nicht beim Militär. Die Abraham-Abkommen von 2020 haben gezeigt, dass arabische Staaten Beziehungen zu Israel aufbauen können, ohne zuvor eine Lösung des palästinensischen Konflikts abzuwarten. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Marokko stehen für diesen Kurs. Entscheidend ist, dass diese Beziehungen selbst den Krieg nach dem 7. Oktober überstanden haben.
Netanjahu traf Ende September 2026 in Abu Dhabi den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed. Die staatliche Nachrichtenagentur WAM bestätigte das Treffen offiziell und berichtete über Gespräche zur weiteren Entwicklung der bilateralen Beziehungen.
Damit blieb ein zentraler Pfeiler der israelischen Regionalstrategie bestehen. Arabische Staaten müssen Israel nicht lieben. Sie müssen erkennen, dass Zusammenarbeit mit einem starken Israel ihren eigenen Interessen dient. Genau darauf beruhte Netanjahus Strategie schon vor dem 7. Oktober.
Die Alternative muss mehr bieten als Anti-Netanjahu
Die israelische Opposition besteht aus Politikern unterschiedlicher Richtungen. Einige verfügen über militärische Erfahrung, andere über Regierungserfahrung. Das ersetzt keine Strategie.
Die Messlatte für eine alternative Regierung ist konkret:
- Kann sie verhindern, dass Hamas wieder eine Armee in Gaza aufbaut?
- Kann sie verhindern, dass die Hisbollah ihre Raketenarsenale und Kommandoeinheiten wiederherstellt?
- Kann sie verhindern, dass Iran sein Atom- und Raketenprogramm erneut hochfährt?
- Kann sie weitere arabische Staaten an Israel binden?
- Ist sie bereit, militärische Entscheidungen auch dann durchzuhalten, wenn diplomatischer Druck aus Europa, internationalen Organisationen und Teilen der amerikanischen Politik wächst?
Darum geht es und nicht darum, wer Netanjahu sympathisch findet.
Israel braucht Stärke, keine Illusionen
Das Jewish People Policy Institute beschreibt Israel 2026 militärisch stärker als seit Jahrzehnten. Hamas, Hisbollah und Iran sind erheblich geschwächt. Gleichzeitig beschreibt das Institut eine schwierigere internationale Lage und anhaltende innere Polarisierung.
Der zentrale sicherheitspolitische Befund wird dadurch nicht kleiner. Israel hat nach dem 7. Oktober nicht kapituliert, den Krieg nicht eingefroren und seine Sicherheit nicht internationalen Wunschvorstellungen untergeordnet. Es hat zurückgeschlagen. Netanjahu hat diesen Kurs politisch getragen.
Dafür braucht es weder Gellers Churchill-Vergleich noch mystische Aura. Die Ergebnisse liegen auf dem Tisch.
Netanjahu trägt Verantwortung für das Sicherheitsversagen des 7. Oktober. Er trägt ebenso politische Verantwortung für die Strategie, mit der Israel danach Hamas, Hisbollah und Iran schwer getroffen hat. Heute steht Israel seinen wichtigsten Feinden militärisch stärker gegenüber als vor drei Jahren. Genau daran muss sich die nächste Regierung messen lassen. Israel braucht keinen weichgespülten Kurs, der Sicherheit durch Hoffnung ersetzt. Es braucht eine Führung, die versteht, dass Abschreckung nur funktioniert, wenn der Gegner weiß, dass Drohungen Konsequenzen haben. Netanjahu hat das nach dem 7. Oktober bewiesen.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ Israel Defense Forces:
The October 7 Inquiries
Untersuchungen der israelischen Streitkräfte zu militärischen Fehleinschätzungen und Versäumnissen rund um den 7. Oktober.
▶️ Institute for National Security Studies:
Israel’s National Security Concept: Functional Incoherence and the October 7 Disaster
Analyse zur Abschreckung, inneren Geschlossenheit und Wahrnehmung israelischer Schwäche durch Hamas und andere Gegner.
▶️ Jewish People Policy Institute:
Annual Assessment of the Jewish People 2026
Analyse der strategischen Lage Israels sowie der Schwächung von Hamas, Hisbollah und Iran.
▶️ Reuters:
Israel and US launched strikes as Iranian leader met with inner circle
Bericht über die gemeinsame israelisch-amerikanische Operation vom 28. Februar 2026 und die Angriffe auf die iranische Führung.
▶️ Reuters:
Israel retrieves last hostage body from Gaza
Bericht über die Bergung der sterblichen Überreste Ran Gvilis als letzter noch in Gaza befindlicher Geisel des 7. Oktober.
▶️ Israel Democracy Institute:
Elections 2026
Zeitplan und Termin der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober 2026.
▶️ Emirates News Agency WAM:
UAE President receives Prime Minister of Israel
Offizielle Bestätigung des Treffens zwischen Benjamin Netanjahu und Mohamed bin Zayed in Abu Dhabi.
▶️ Times of Israel:
Time fact-checks Netanyahu interview on Gaza funding
Dokumentation der qatarischen Geldtransfers nach Gaza und der unter Netanjahus Regierung zugelassenen Bargeldzahlungen ab 2018.
▶️ Jerusalem Post:
The Left has weakened Israel, only Bibi can save it – opinion
Ausgangskommentar von Uri Geller zur politischen und sicherheitspolitischen Rolle Benjamin Netanjahus.
🔎 Fehler entdeckt, Kritik oder Ergänzung?
SCHLAGSEITE.eu steht für sorgfältige Recherche und transparente Korrekturen. Du hast einen sachlichen Fehler, eine unklare Formulierung oder einen defekten Link entdeckt? Dann sende mir deinen Hinweis. Bitte gib nach Möglichkeit eine überprüfbare Quelle an.

