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Nur 750 Meter von Nahal Oz entfernt führt die IDF Journalisten in einen mehr als 500 Meter langen Hamas-Tunnel. Schlafräume, Sanitäranlagen, Klimatisierung und Wasserversorgung zeigen, dass dieses System für lange Aufenthalte gebaut wurde. Der Fund trifft auf eine unbequeme Realität: Aus dem Kibbutz Nahal Oz und der unmittelbar benachbarten Militärbasis wurden am 7. Oktober insgesamt 18 Menschen nach Gaza verschleppt. Fast drei Jahre später rekrutiert Hamas weiter Kämpfer, baut neue Sprengsätze und verfügt noch immer über ein weit verzweigtes Tunnelsystem.
Der Originalbeitrag und die Fotos zu dieser Vor-Ort-Recherche stammt von dem Journalisten Benjamin Weinthal. Er begleitete am 23. September 2026 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Journalisten israelische Truppen im Gazastreifen. In seinem Originalbericht für C14 News dokumentiert Weinthal den neu freigelegten Tunnel bei Schudscha’iyya sowie die Aussagen israelischer Kommandeure zur militärischen Lage fast drei Jahre nach dem 7. Oktober.
Das Bild, das dabei entsteht, ist widersprüchlich nur auf den ersten Blick: Israel kontrolliert militärisch große Teile des Gazastreifens und hat weite Teile der Hamas-Infrastruktur zerstört. Gleichzeitig ist die Terrororganisation nicht verschwunden. Sie rekrutiert weiter, baut Sprengsätze und versucht, ihre verbliebenen Strukturen wiederherzustellen.
Today: IDF reveals 500M-long terror tunnel in Gaza – Benjamin Weinthal @BenWeinthal reports for C14 from Gaza – watch 👇 pic.twitter.com/6kwbO6KtDE
— C14 News | EN (@c14english) September 23, 2026
18 Menschen wurden aus Nahal Oz und der Basis verschleppt
Der Tunnel ist 750 Meter von Nahal Oz entfernt und damit mehr als ein weiterer Fund unter Gaza. Nahal Oz gehört zu den Orten, an denen am 7. Oktober 2023 besonders deutlich wurde, wie verheerend wenige Minuten fehlender Verteidigungsbereitschaft sein können.
Aus dem Kibbutz Nahal Oz wurden acht Zivilisten entführt. Aus der nur wenige hundert Meter entfernten IDF-Basis verschleppten die Terroristen weitere zehn Soldaten. Zusammen sind es jene 18 Soldaten und Zivilisten, auf die der Kommandeur des Südkommandos bei der Journalistenführung verwies.
Israels Militär hält es für möglich, dass Geiseln durch den nun gezeigten Tunnelkomplex gebracht oder dort zeitweise festgehalten wurden. Dass genau dieser Abschnitt dafür genutzt wurde, ist bislang nicht öffentlich bestätigt. Der räumliche Zusammenhang bleibt trotzdem bemerkenswert: Ein ausgebautes unterirdisches System lag unmittelbar vor einem der Orte, an denen Hamas am 7. Oktober mordete und Menschen nach Gaza verschleppte.

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Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivEine Infrastruktur für Monate unter der Erde
Der neu freigelegte Tunnel ist nach Angaben des Südkommandos mehr als 500 Meter lang. Er verfügt über Schlafmöglichkeiten, sanitäre Einrichtungen, Klimatisierung und Wasserversorgung. Ein israelischer Kommandeur bezeichnete das unterirdische System als Teil einer „Stadt unter einer Stadt“.
Die Ausstattung zeigt, worum es bei diesen Anlagen geht. Sie dienen nicht nur dazu, sich kurzfristig zwischen zwei Punkten zu bewegen. Teile des Netzes sind darauf ausgelegt, Menschen und Material über lange Zeiträume unter der Erde zu verbergen und militärische Strukturen vor israelischer Aufklärung und Luftangriffen zu schützen.
Der Kommandeur bezifferte die seit Kriegsbeginn zerstörten Tunnelabschnitte auf rund 60 Kilometer. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Beseitigung des verbleibenden Systems noch Jahre dauern könne. Diese Kilometerangabe ist eine Schätzung des israelischen Militärs, keine unabhängige Vermessung des gesamten Netzes.
ℹ️ Das unterirdische Gaza
Das Hamas-Tunnelsystem besteht nicht nur aus einfachen Verbindungsgängen. Die IDF hat wiederholt Kommandoeinrichtungen, Schlafräume, Waffenlager und Versorgungsanlagen unter der Erde gefunden. Bereits vor dem Krieg wurde das unterirdische Netz in israelischen, internationalen und Hamas-eigenen Angaben auf Hunderte Kilometer geschätzt; häufig wurde eine Größenordnung von mehr als 500 Kilometern genannt. Die genaue heute noch nutzbare Gesamtlänge lässt sich öffentlich nicht unabhängig bestimmen.

Bis zu 63 Prozent des Gazastreifens unter israelischer Kontrolle
Die zweite wichtige Zahl der Journalistenführung betrifft nicht den Tunnel, sondern die Oberfläche. Nach Angaben eines Kommandeurs des Südkommandos ermöglichen Dutzende israelische Stützpunkte innerhalb und am Rand des Gazastreifens der IDF inzwischen die militärische Kontrolle über bis zu 63 Prozent des Gebiets.
Der Wert ist weniger überraschend, als die Zahl zunächst klingt. Israel hatte bereits in den vergangenen Monaten erklärt, mehr als 60 Prozent des Gazastreifens militärisch zu kontrollieren. Neu ist vor allem der Blick darauf, wie diese Kontrolle organisiert wird: über zahlreiche befestigte Posten und die sogenannte Gelbe Linie.
Diese Linie trennt derzeit die von Hamas kontrollierten Gebiete von den Bereichen unter israelischer Militärkontrolle. Sie ist eine operative Sicherheitslinie und keine automatisch daraus folgende politische Grenze.
Hamas baut weiter Sprengsätze und rekrutiert
Für die israelische Führung ist diese militärische Tiefe vor allem deshalb relevant, weil Hamas weiter versucht, Kampffähigkeit zurückzugewinnen. Der Kommandeur des Südkommandos sprach von Tausenden verbliebenen Hamas-Terroristen. Die Organisation rekrutiere weiter aus der Bevölkerung und habe weder ihre Waffen noch ihr Ziel aufgegeben, Israel zu bekämpfen.
Hinzu kommt der improvisierte Wiederaufbau militärischer Mittel. Nach Angaben der IDF nutzt Hamas nicht detonierte Munition aus dem Krieg, um daraus neue Sprengsätze herzustellen.
Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigte sich am 21. September. Ein unbemanntes israelisches Pionierfahrzeug wurde auf der israelischen Seite der Gelben Linie in Nord-Gaza von einem Sprengsatz getroffen. Es gab keine Verletzten. Die IDF bezeichnete den Angriff als eklatante Verletzung des Waffenstillstands und griff anschließend Hamas-Infrastruktur an.
Der Waffenstillstand hat die Form des Konflikts verändert. Er hat die militärischen Fähigkeiten der Hamas nicht automatisch beseitigt.

Geiseln waren und bleiben ein strategisches Instrument
Ein weiterer Punkt der Journalistenführung betrifft die Bedeutung von Entführungen für Hamas. Ein israelischer Offizier erinnerte an den Fall Gilad Shalit. Israel ließ 2011 mehr als 1.000 palästinensische Gefangene frei, um den entführten Soldaten zurückzubekommen.
Unter den Freigelassenen befand sich Yahya Sinwar. Zwölf Jahre später gehörte er zu den maßgeblichen Verantwortlichen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober.
Die strategische Logik dahinter ist offensichtlich: Eine israelische Geisel erzeugt weit mehr politischen und gesellschaftlichen Druck als ein gewöhnlicher militärischer Verlust. Der 7. Oktober zeigte, dass Hamas dieses Instrument in bisher nicht gekanntem Umfang einsetzte. Insgesamt wurden 251 Menschen nach Gaza verschleppt.
Katars Milliarden und die Jahre des Hamas-Aufbaus
Parallel dazu stellt sich die Frage, wie eine derart umfangreiche militärische Infrastruktur über Jahre entstehen konnte. C14 beziffert die katarischen Zahlungen an den Gazastreifen im Jahrzehnt vor dem 7. Oktober auf mindestens zwei Milliarden Dollar.
Die Transfers erfolgten über Jahre mit Wissen und teilweise ausdrücklicher Unterstützung Israels und sollten unter anderem Treibstoff, Gehälter, bedürftige Familien und die Stabilisierung des Gazastreifens finanzieren. Gleichzeitig konnte Hamas in genau diesen Jahren ihr militärisches Tunnelsystem massiv ausbauen.
Dokumente, über die internationale Medien 2026 berichteten, geben dem Zusammenhang zusätzliche Brisanz. Demnach bezeichnete ein Hamas-Funktionär die katarischen Zahlungen bereits 2019 gegenüber Doha als eine zentrale finanzielle Lebensader der Organisation. Katar weist den Vorwurf zurück, mit seinen Hilfen den militärischen Aufbau der Hamas finanziert zu haben.
Eine direkte Zuordnung einzelner katarischer Zahlungen zu einem bestimmten Tunnel lässt sich daraus nicht ableiten. Der größere Befund bleibt: Während Milliarden nach Gaza flossen, entwickelte Hamas gleichzeitig eine unterirdische militärische Infrastruktur von außergewöhnlichem Umfang.

Israel greift nicht nur Tunnel und Kämpfer an
Die israelische Strategie richtet sich deshalb nicht ausschließlich gegen bewaffnete Kämpfer oder Tunnelanlagen. Am 23. September meldeten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz die Tötung von Muhammad Abu Alwan im Raum Chan Junis.
Israel bezeichnet Abu Alwan als Leiter der Finanzabteilung der Hamas. IDF und Schin Bet führten den Angriff gemeinsam durch. EFE bestätigte den Angriff und den Tod Abu Alwans.
Der Vorgang zeigt, dass Israel neben militärischer Infrastruktur auch die organisatorischen und finanziellen Strukturen angreift, über die Hamas ihre Kampffähigkeit erhalten oder wiederaufbauen kann.
750 Meter von Nahal Oz: Die militärische Konsequenz
Am Ende führt der Bericht deshalb zurück nach Nahal Oz. Nicht die Zahl von 63 Prozent ist das stärkste Detail dieser Journalistenführung. Es ist die Entfernung.
750 Meter zwischen einem israelischen Kibbutz und einem ausgebauten Hamas-Tunnelsystem. Acht aus dem Kibbutz verschleppte Zivilisten. Zehn entführte Soldaten aus der benachbarten Basis. Ein unterirdisches Netz, das auch fast drei Jahre später noch nicht vollständig zerstört ist.
Ein israelischer Offizier erzählte den Journalisten bei der Führung, sein Großvater habe die Shoah überlebt. Der Morgen des 7. Oktober habe ihm gezeigt, was geschehen könne, wenn Israels Verteidigung auch nur für kurze Zeit versage. Mehr muss man aus diesem persönlichen Satz nicht machen. Die militärische Konsequenz, die Israel daraus gezogen hat, ist im Gelände ohnehin sichtbar.
Die 63 Prozent erklären den Rahmen. Der Tunnel bei Nahal Oz erklärt den Grund dahinter. Israel hält heute militärische Tiefe im Gazastreifen, während Hamas nach Angaben der IDF weiter Kämpfer rekrutiert, Sprengsätze baut und Teile ihres Tunnelsystems nutzt. Die alte Sicherheitsordnung vom 6. Oktober 2023 existiert damit nicht mehr.
Der neue Sicherheitsansatz Israels lässt sich auf einen einfachen Befund zurückführen: Hamas ist schwer getroffen, aber nicht verschwunden. Solange ihre bewaffneten Strukturen, Tunnel und Rekrutierungsfähigkeit bestehen, betrachtet Israel territoriale militärische Kontrolle als Schutz davor, dass sich unmittelbar vor Gemeinden wie Nahal Oz erneut eine vergleichbare Angriffsstruktur entwickeln kann.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ Originalbeitrag / Benjamin Weinthal, C14 News:
IDF Reveals Dozens of Bases Controlling Over 60% of Gaza Strip
Originalbeitrag von Benjamin Weinthal vom 23. September 2026 über den Tunnel bei Nahal Oz, die israelischen Militärposten, die 63-Prozent-Angabe, verbliebene Hamas-Kräfte und die Tunnelzerstörung.
▶️ Times of Israel:
Civilians, police stopped 1st wave of terrorists at Nahal Oz
Auswertung der IDF-Untersuchung zum Angriff auf den Kibbutz Nahal Oz. Acht Zivilisten wurden von dort als Geiseln verschleppt.
▶️ Times of Israel:
Systemic failure: How Nahal Oz base fell to Hamas
Auswertung der militärischen Untersuchung zum Angriff auf die Nahal-Oz-Basis. Zehn Soldaten wurden von dort entführt.
▶️ Times of Israel:
IDF strikes Hamas targets after engineering vehicle hit by bomb
Bericht vom 21. September 2026 über den Sprengsatzangriff auf der israelischen Seite der Gelben Linie und die anschließenden israelischen Schläge.
▶️ The New Yorker / Ruth Margalit:
Israel’s Qatargate Scandal
Reportage vom 19. September 2026 über Katars jahrelange Zahlungen nach Gaza, von Israel beschlagnahmte Hamas-Unterlagen und die Frage, in welchem Umfang diese Finanzströme den militärischen Aufbau der Hamas begünstigten.
▶️ Times of Israel:
Qatar rejects allegations over Gaza funding
Aktuelle Einordnung der katarischen Geldtransfers, der Hamas-Dokumente und der Stellungnahme Katars.
▶️ EFE:
Israel meldet Tötung von Muhammad Abu Alwan
Bericht vom 23. September 2026 zur israelischen Operation in Chan Junis und zur israelischen Einordnung Abu Alwans als Leiter der Hamas-Finanzabteilung.
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