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Erst Issa Remmo. Dann Ibrahim Ibrahim aus dem Umfeld der PFLP. Nun werden auf der Wahlparty der Linken in Neukölln auch zwei Social-Media-Aktivisten aus der Barbakh-Großfamilie dokumentiert. Belegt sind Begegnungen, Interviews und gemeinsame Bilder. Eine organisierte Zusammenarbeit folgt daraus nicht automatisch. Politisch relevant ist die Häufung trotzdem.
Die Wahlparty der Neuköllner Linken im Ballhaus Rixdorf entwickelt sich im Nachhinein zu einer Belastungsprobe für den Bezirksverband. Zunächst sorgte Issa Remmo für Schlagzeilen. Danach wurde bekannt, dass auch der antiisraelische Aktivist Ibrahim Ibrahim anwesend war. Nun berichtet die WELT unter Berufung auf weitere Recherchen über zwei Social-Media-Aktivisten aus der Barbakh-Großfamilie, die auf der Veranstaltung Interviews mit Politikern der Neuköllner Linken führten.
Dabei müssen unterschiedliche Vorgänge auseinandergehalten werden. Issa Remmo stammt aus dem bekannten Berliner Clan-Milieu. Bei Barbakh handelt es sich um eine palästinensische Großfamilie, von der nach Ermittlerangaben einzelne Angehörige sicherheitsrelevant sind. Ibrahim Ibrahim wiederum ist seit Jahren im organisierten antiisraelischen Aktivismus öffentlich sichtbar. Es sind verschiedene Milieus. Ihre gemeinsame Schnittmenge an diesem Abend ist zunächst die dokumentierte Präsenz auf derselben politischen Veranstaltung.

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Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivZwei Aktivisten aus der Barbakh-Großfamilie
Anders gelagert sind die nun bekannt gewordenen Auftritte zweier Social-Media-Aktivisten aus der Barbakh-Großfamilie. Einer von ihnen führte Interviews mit dem Neuköllner Linken-Spitzenkandidaten Ahmed Abed, mit der Co-Bezirksvorsitzenden Jorinde Schulz und mit Basem Said. Ein weiterer Aktivist filmte Ibrahim Ibrahim vor der Bühne.
Auch daraus folgt nicht, dass Abed, Schulz oder Said wussten, mit wem sie sprachen. Der Tagesspiegel hält ausdrücklich fest, dass dies unklar sei. Schulz erklärte auf Anfrage, sie habe angesichts des Wahlerfolgs an diesem Abend viele Interviews gegeben.
Der Hintergrund der Großfamilie ist dennoch für die Einordnung relevant. Laut Tagesspiegel leben mehr als 300 Angehörige der Familie in Berlin. Viele kamen dem Bericht zufolge ab 2024 aus dem Gazastreifen. Ermittler stufen eine zweistellige Zahl der Familienmitglieder als sicherheitsrelevant ein. Einzelne Angehörige sollen bei antiisraelischen Demonstrationen durch Gewaltdelikte oder mit Hamas-Symbolik aufgefallen sein.
Diese Angaben betreffen konkrete Personen und Ermittlererkenntnisse. Sie sind kein Freibrief, eine gesamte Großfamilie unter Generalverdacht zu stellen. Genau deshalb bleiben die beiden Aktivisten im Artikel und in den Bildern anonymisiert.
Ibrahim Ibrahim und seine Verbindungen zum PFLP-Umfeld
Bei Ibrahim Ibrahim reicht die Vorgeschichte deutlich weiter zurück als bis zu diesem Wahlabend. Der Rechercheverein democ dokumentierte im Oktober 2025 einen Auftritt Ibrahims bei einer Demonstration in Berlin. Dort würdigte er den damaligen Hamas-Führer Yahya Sinwar als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“. Sinwar war maßgeblich an Organisation und Koordination des Massakers vom 7. Oktober 2023 beteiligt.
Ibrahim wird von democ und weiteren Medien seit Jahren als Aktivist beziehungsweise Unterstützer der Volksfront zur Befreiung Palästinas, PFLP, beschrieben. Die Europäische Union führt die PFLP weiterhin auf ihrer Terrorliste.
Auf der Wahlparty wurde Ibrahim außerdem gemeinsam mit dem Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak fotografiert. Koçak erklärte anschließend, er habe an diesem Abend Hunderte Fotos mit Menschen gemacht, die seine politische Arbeit unterstützten, und distanzierte sich ausdrücklich von gewalt- und terrorverherrlichenden Äußerungen Ibrahims.
Das Foto allein beweist keine persönliche oder politische Nähe. Es ist aber nicht der erste dokumentierte gemeinsame politische Kontext. Bereits im Juni 2025 traten Koçak und Ibrahim bei derselben Kundgebung der Neuköllner Linken vor dem Rathaus als Redner auf. Die WELT dokumentierte damals, wie der Sprecher des Bezirksverbands Hermann Nehls Ibrahim mit den Worten begrüßte: „Ich freue mich sehr, dass Ibrahim jetzt zu uns spricht.“ Koçak erklärte seinerzeit gegenüber der WELT, Ibrahim sei ihm nicht bekannt und er lehne Terrorismus, Gewaltverherrlichung und extremistische Positionen ab.
VPNK und Linke: Vorgeschichte des Wahlparty-Umfelds
Auch das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee, VPNK, taucht nicht erstmals am Wahlabend im Umfeld des Bezirksverbands auf. Der Berliner Verfassungsschutz beschreibt für 2024, dass Anhänger der Hamas und der PFLP unter dieser Dachbezeichnung gemeinsam Veranstaltungen organisierten. Im Verfassungsschutzbericht für 2025 zählt die Behörde das VPNK erneut zu den prägenden Akteuren der israelfeindlichen extremistischen Szene Berlins.
Im August 2025 fand ein propalästinensisches Soli-Kiez-Event statt, bei dem auf Veranstaltungsflyern sowohl das VPNK als auch „Die Linke, AG Palästina-Soli, BV Neukölln“ aufgeführt waren. In einer Antwort des Berliner Senats heißt es, diese und weitere Gruppen seien auf den Flyern mutmaßlich als Veranstalter abgebildet gewesen. Der Tagesspiegel dokumentierte Ibrahim Ibrahim bei dieser Veranstaltung als Redner für das VPNK.
Der Bezirksverband selbst beschreibt die Beziehung noch deutlicher. In einem FAQ seiner AG Palästina-Solidarität vom 19. August 2025 heißt es, man stehe seit Monaten mit Vertretern des VPNK im Austausch und gehe gemeinsam auf die Straße. Die Vertreter des VPNK auf Veranstaltungen der Linken hätten das „vollste Vertrauen“ der AG.
Damit lässt sich Ibrahims Anwesenheit auf der Wahlparty nicht genauso einordnen wie Remmos unangemeldetes Auftauchen. Remmo wurde nach seiner Identifizierung aus dem Saal geschickt. Ibrahim war bereits zuvor wiederholt als politischer Akteur auf Veranstaltungen im Umfeld des Bezirksverbands öffentlich aufgetreten.
Nach der Wahl erhielt dieser Punkt zusätzliche Bedeutung. Der Tagesspiegel berichtete, Ibrahim habe zum Wahlerfolg gratuliert und das VPNK als „Teil dieses Erfolgs“ bezeichnet. Die Berliner Zeitung dokumentierte zudem eine deutschsprachige Glückwunschbotschaft des VPNK. Darin erklärte das Komitee, seine Mitglieder und Unterstützer hätten durch Mobilisierung, Wähleransprache und die Förderung demokratischer Teilhabe zum Wahlerfolg beigetragen. Zugleich wurde eine Fortsetzung der Zusammenarbeit in Aussicht gestellt.
Remmo, Barbakh und Ibrahim gehören nicht zu einer gemeinsamen Organisation und dürfen nicht zu einem einzigen „Clan“-Komplex vermischt werden. Dokumentiert ist etwas anderes: Auf derselben Wahlveranstaltung wurden Personen aus unterschiedlichen problematischen Milieus sichtbar. Bei Ibrahim kommt eine bereits länger dokumentierte politische Vorgeschichte mit dem Neuköllner Bezirksverband hinzu.
Die „Wahlintifada“ kam noch am selben Tag
Zum politischen Umfeld dieses Wahlabends gehört ein weiterer Vorgang. Basem Said, Kandidat der Neuköllner Linken für die Bezirksverordnetenversammlung, teilte am 20. September einen Instagram-Aufruf des Aktivisten Majed Abusalama. Darin wurde die Berliner Wahl als „Wahlintifada“ bezeichnet und zur Wahl von Ahmed Abed, Basem Said sowie der Linken aufgerufen.
Der Tagesspiegel berichtet, Abusalama sei Mitbegründer der vom Verfassungsschutz als gesichert extremistisch eingestuften Gruppe „Palästina spricht“. Said teilte den Aufruf und bedankte sich für die Unterstützung.
Der Begriff „Intifada“ ist historisch nicht beliebig. Er bezeichnet insbesondere die palästinensischen Aufstände gegen Israel. Während der Zweiten Intifada wurden durch Anschläge und andere Gewalttaten mehr als tausend Israelis getötet. Der Tagesspiegel bewertet die konkrete Verwendung der Parole im Zusammenhang mit dem Wahlaufruf als eindeutigen Gewaltaufruf. Diese Bewertung stammt vom Tagesspiegel und wird hier als solche wiedergegeben.

Offene Wahlparty erklärt nicht alle Begegnungen
Die offene Veranstaltung erklärt einen Teil des Abends. Wer nicht auf einer Anmeldeliste stand, konnte offenbar trotzdem in den vollen Saal gelangen. Bei Issa Remmo ist inzwischen dokumentiert, dass genau das geschah und dass er anschließend hinausgeschickt wurde.
Die offene Tür erklärt aber nicht jeden anderen Vorgang vollständig. Zwei Social-Media-Aktivisten führten Interviews mit führenden Neuköllner Linken. Ibrahim Ibrahim wurde mit Ferat Koçak fotografiert. Basem Said hatte am selben Tag den Aufruf zur „Wahlintifada“ geteilt. Keiner dieser Befunde beweist für sich eine organisatorische Zusammenarbeit. Zusammen ergeben sie jedoch eine Reihe politisch relevanter Begegnungen, die über Remmos kurzen unangemeldeten Besuch hinausgeht.
Belastungsprobe für den Bezirksverband
Die Linke erreichte mit ihrer Bezirksliste in Neukölln rund 32 Prozent und wurde mit deutlichem Abstand stärkste Kraft. Ahmed Abed erklärte nach der Wahl, er wolle „ganz sicher“ Bezirksbürgermeister werden und SPD und Grüne zu Gesprächen über Inhalte und das Bürgermeisteramt einladen.
Auch auf Landesebene fällt die Debatte in eine Phase möglicher Regierungsbildung. Die Berliner Linke führt Gespräche mit SPD und Grünen. Damit sind die Vorgänge in Neukölln eine Belastungsprobe für den Bezirksverband und keine rein interne Angelegenheit. Sie berühren die Frage, welche politischen und extremistischen Milieus innerhalb und im Umfeld einer möglichen Regierungspartei als Gesprächspartner akzeptiert werden und wo konkrete Grenzen gezogen werden.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Linke Neukölln mit einem „Clan“ zusammenarbeitet. Dafür gibt es keinen Beleg. Die überprüfbare Frage lautet, wie der Bezirksverband seine Grenze zu Akteuren zieht, die öffentlich israelfeindlich auftreten oder extremistischen Strukturen zugerechnet werden, und wie er wiederholte gemeinsame Auftritte und Begegnungen erklärt.
Remmo wurde erkannt und hinausgeschickt. Bei Ibrahim Ibrahim liegt dagegen eine dokumentierte Vorgeschichte mit Auftritten bei Veranstaltungen der Neuköllner Linken vor. Genau dieser Unterschied ist für die Einordnung des Wahlabends entscheidend. Die politische Frage beginnt dort, wo aus einem zufälligen Besucher wiederholt bekannte Akteure und dokumentierte gemeinsame Kontexte werden.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ WELT:
Neuer Ärger für die Linke: Auch Mitglieder des Barbakh-Clans auf Wahlparty
Bericht über zwei Social-Media-Aktivisten aus der Barbakh-Großfamilie auf der Wahlparty und die Ermittlerangaben zur Familie.
▶️ Tagesspiegel:
Wahlabend in Neukölln: Gibt es noch einen Clan-Vorfall in der Berliner Linken?
Recherche zu den beiden Barbakh-Aktivisten, den Interviews, Schulz‘ Stellungnahme und den sicherheitsbehördlichen Angaben zur Großfamilie.
▶️ t-online:
Berlin-Wahl: Issa Remmo aus Linken-Wahlparty verwiesen
Dokumentiert die Schilderung von Yossi Bartal und die Bestätigung der Linken, dass Remmo nach seiner Entdeckung hinausgeschickt wurde.
▶️ democ:
Verherrlichung von Hamas-Führer bei „United4Gaza“
Dokumentiert Ibrahims Würdigung Yahya Sinwars als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“.
▶️ WELT:
Ibrahim Ibrahim bei Amnesty und der Linken Neukölln
Dokumentiert Ibrahims Auftritt bei einer Kundgebung der Neuköllner Linken im Juni 2025 sowie das wörtliche Nehls-Zitat und die damalige Stellungnahme Ferat Koçaks.
▶️ Die Linke Neukölln:
FAQ der AG Palästina-Solidarität zum VPNK
Primärquelle des Bezirksverbands. Die AG beschreibt einen seit Monaten bestehenden Austausch mit VPNK-Vertretern, gemeinsame Demonstrationen und ihr Vertrauen in die beteiligten Vertreter.
▶️ Berliner Abgeordnetenhaus / Senat:
Antwort auf die Schriftliche Anfrage 19/23559
Dokumentiert die Veranstaltungsflyer des Soli-Kiez-Events vom August 2025 mit VPNK und „Die Linke, AG Palästina-Soli, BV Neukölln“.
▶️ Tagesspiegel:
Umstrittenes Soli-Fest in Kreuzberg
Dokumentiert Ibrahim Ibrahim als Redner für das VPNK beim Soli-Kiez-Event im August 2025.
▶️ Tagesspiegel:
VPNK bezeichnet sich als „Teil dieses Erfolgs“
Dokumentiert Ibrahims öffentliche Zuschreibung des Wahlerfolgs an das VPNK.
▶️ Berliner Zeitung:
Antisemitismus-Streit nach dem Wahlerfolg der Linken
Dokumentiert die deutschsprachige VPNK-Glückwunschbotschaft mit Aussagen zu Mobilisierung, Wähleransprache und einer Fortsetzung der Zusammenarbeit.
▶️ Tagesspiegel:
Neuköllner Linke-Kandidat teilt Aufruf zur „Wahlintifada“
Dokumentation des von Basem Said verbreiteten Wahlaufrufs und des politischen Umfelds von Majed Abusalama.
▶️ Berliner Verfassungsschutz:
Verfassungsschutzbericht 2025 veröffentlicht
Einordnung des VPNK als prägenden Akteur der israelfeindlichen extremistischen Szene Berlins.
▶️ Berliner Verfassungsschutz:
Verfassungsschutzbericht Berlin 2024
Dokumentiert die Zusammenarbeit von Hamas- und PFLP-Anhängern unter der Dachbezeichnung VPNK.
▶️ Europäische Union:
EU-Liste zu restriktiven Maßnahmen gegen terroristische Organisationen vom 30. Juli 2026
Die PFLP wird in der nach turnusmäßiger Überprüfung veröffentlichten Liste ausdrücklich aufgeführt.
▶️ Tagesspiegel:
Ahmed Abed will Bezirksbürgermeister werden
Wahlergebnis im Bezirk sowie Abeds angekündigte Gespräche mit SPD und Grünen.
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