Gastbeitrag von Nida Banou
Rise Iran & Javid Shah | anti-postkoloniale Ideologie & anti-Islamismus | Eure Freiheit ist heilig. Beschützt sie.
Warum sind islamische Gesetze für viele junge Muslime attraktiver als die Freiheit des Westens? Bitte lest weiter, denn ich schreibe, was sich viele deutschstämmige vielleicht nicht trauen.
Wenn klassische Scharia staatliches Recht wird, geht es nicht nur um Gebet, Fasten oder persönliche Frömmigkeit. Es entsteht eine Rechtsordnung, in der Männer und Frauen in zentralen Bereichen nicht als gleichberechtigte Rechtssubjekte behandelt werden.

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Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivDer Sohn erhält in der bekannten erbrechtlichen Konstellation doppelt so viel wie die Tochter. Bei koranischen Regeln treten zwei Frauen an die Stelle eines männlichen Zeugen. Der Mann besitzt traditionell weitreichendere einseitige Scheidungsmöglichkeiten, darf mehrere Frauen heiraten und nimmt innerhalb der Familie eine übergeordnete Rechtsposition ein.
In den meisten islamisch geprägten Rechtssystemen bestehen bis heute männliche Vormundschaft, ungleiche Scheidungsrechte und Möglichkeiten, minderjährige Mädchen zu verheiraten.
Auch das klassische islamische Strafrecht ist hart. Es kann Auspeitschung, Amputation von Hand und bei Wiederholung weiterer Gliedmaßen sowie Todesstrafen vorsehen. Solche Strafen sind keine bloße mittelalterliche Erinnerung, sondern werden in einzelnen Staaten bis heute vollstreckt.
Man muss deshalb wieder sagen dürfen: Nicht Menschen oder Ethnien sind einander überlegen. Aber eine Ordnung, in der Frauen und Männer dieselben Rechte besitzen, ein Mensch seine Religion verlassen darf und der Staat keine Körperteile amputiert, ist einer Ordnung moralisch überlegen, die Ungleichheit und Grausamkeit mit Gottes Willen legitimiert.
Umso erstaunlicher ist die Frage: Warum bleibt der politische Islam dennoch attraktiv?
Nach aktuellen MOTRA-Daten waren unter Muslimen von 18 bis unter 40 Jahren 33,6 Prozent latent und 11,5 Prozent manifest islamismusaffin – zusammen 45,1 Prozent. Konkret hielten in der muslimischen Gesamtstichprobe unter anderem 23,8 Prozent einen islamischen Gottesstaat für die beste Staatsform, 25,1 Prozent die Regeln des Korans für wichtiger als die deutschen Gesetze und 44,3 Prozent den Islam für die einzige Lösung der Probleme unserer Zeit.
Das ist zu groß, um es als bloßes Randphänomen abzutun.
Genau hier ist der politische Islam “stark”. Er wirbt nicht zuerst mit amputierten Händen, entrechteten Frauen oder religiösem Zwang. Er verkauft Brüderlichkeit, Stolz, Widerstand, Reinheit und das Gefühl, Teil einer großen, von Allah gewollten Gemeinschaft zu sein.
Er bietet eine umfassende Sinnordnung: Dein Leben ist nicht zufällig, deine Rolle ist definiert, deine Gemeinschaft hat eine Geschichte, Feinde, Helden und eine Zukunft. Die Verheißung kommt zuerst, die Unterwerfung später.
Gerade jungen Männern bietet das ein starkes Identitätsangebot: Du gehörst dazu. Du wirst gebraucht. Du verteidigst deine Familie, deinen Gott und deine Gemeinschaft. Du bist Teil eines weltgeschichtlichen Kampfes. Status entsteht durch Stärke, Loyalität und Dominanz.
Und was bietet der Westen als emotionales Gegenangebot?
Zu häufig nur Konsum, Individualismus, Selbstoptimierung – und eine Kultur, die sich selbst mit einer geradezu ritualisierten Härte kritisiert.
Selbstkritik ist notwendig. Jede aufgeklärte Gesellschaft muss ihre Verbrechen kennen, ihre Fehler benennen und aus ihrer Geschichte lernen. Aber irgendwann kippt Selbstkritik in Selbstentwertung und Selbstkastration.
Wenn eine Gesellschaft ihren eigenen Kindern fast nur noch vermittelt, wofür sie sich schämen sollen, wenn ihre Geschichte überwiegend als Abfolge von Schuld, Unterdrückung und Versagen erzählt wird und jede positive Identifikation sofort unter Verdacht gerät, entsteht keine moralische Stärke. Es entsteht kulturelle Unsicherheit und eine schwache Identität, die im schlimmsten Fall sogar Anschluss in einer anderen – der z.B. der Islamischen – sucht.

Und eine Gesellschaft, die sich selbst permanent kleinmacht, wirkt auf Menschen, die nach Stolz, Stärke und Zugehörigkeit suchen und nach diesen Mustern sozialisiert sind, nicht besonders überzeugend. Wie sollen junge Menschen Respekt vor einer Ordnung entwickeln, deren eigene Vertreter ständig erklären, wie problematisch, privilegiert, schuldig oder moralisch fragwürdig die eigene Kultur sei?
Wie soll ein Zuwanderer diese Gesellschaft als etwas Begehrenswertes erleben, wenn sie selbst kaum noch den Mut besitzt zu sagen:
Genau diese positive Erzählung fehlt
Der Islam sagt: Sei stolz auf deinen Gott und deine Gemeinschaft. Deine Geschichte ist groß. Dein Glaube ist wahr. Deine Zukunft gehört dir.
Der Westen sagt: Hinterfrage dich. Relativiere dich. Entschuldige dich.
Eine freie Gesellschaft kann auf Dauer nicht attraktiv sein, wenn Freiheit nur noch als Abwesenheit von Zwängen erscheint.
Freiheit braucht ebenfalls Sinn. Sie braucht eine Vorstellung davon, wofür sie eingesetzt werden soll: für Wissenschaft, Kunst, eine glückliche Familie, Verantwortung, Erkenntnis, Schönheit, Kultur, Gemeinsinn, Leistung, Schutz der Schwachen und die Weitergabe einer Zivilisation an die nächste Generation.
Die Antwort kann deshalb nicht sein, selbst autoritärer oder patriarchaler zu werden. Wir müssen vielmehr Ehre zivilisieren. Ehre bedeutet in einer freien Gesellschaft nicht, die Sexualität der Schwester zu kontrollieren oder Kränkungen mit Gewalt zu beantworten.
Sie bedeutet, sein Wort zu halten, Prinzipien zu haben, Verantwortung zu übernehmen, Schwächere zu schützen, Selbstbeherrschung zu zeigen und für Familie und Gemeinwesen einzustehen.
Dazu gehört ein Patriotismus, der nicht auf Abstammung beruht, sondern auf Zugehörigkeit und Verantwortung.
Europa, und gerade Deutschland, sollte wieder stolz auf sein jüdisch-christliches, griechisch-römisches und aufklärerisches Erbe sein: auf Rechtsstaat, Gewissensfreiheit, Wissenschaft, Gleichberechtigung, Menschenrechte und die Begrenzung religiöser Macht.
Dass Freiheit, Gemeinschaft und Patriotismus keine Gegensätze sein müssen, zeigt gerade die iranische Kultur.
Sie ist stark von Familie, Gastfreundschaft, emotionaler Wärme und Gemeinschaft geprägt und zugleich von einem ausgeprägten Freiheitswillen und einem nahezu grenzenlosen Stolz auf die eigene Geschichte, Sprache und Zivilisation.
Man kann tief verwurzelt sein, Verbindung suchen und sein Land lieben, ohne deshalb das Individuum einer Religion oder einem Kollektiv zu unterwerfen.
Genau darin liegt ein wichtiger Gegenentwurf. Der politische Islam versteht, dass Menschen mehr brauchen als Komfort.
Unsere Antwort darf deshalb nicht weniger Liberalismus sein, sondern ein selbstbewussterer Liberalismus mit Patriotismus, klaren Grenzen und einer Sinnidee, die über Konsum und Individualismus hinausgeht.

Eine freie Gesellschaft muss wieder sagen können:
Denn Wohlstand allein gewinnt keinen Kampf um Identität. Freiheit gewinnt erst dann, wenn Menschen nicht nur von ihr profitieren, sondern stolz darauf sein können, zu ihr zu gehören.
Und was heißt das konkret?
Dass wir aufhören müssen, Stärke mit Aggression und Schwäche mit Moral zu verwechseln.
Wenn deutsche Politiker reflexhaft und ohne jegliche Konsequenz zur Mäßigung rufen, mit der Islamischen Republik verhandeln oder islamistische und jihadistische Akteure wie gewöhnliche Partner behandeln, als stünden sie auf demselben zivilisatorischen Fundament, senden wir ein fatales Signal:
Unsere eigenen Werte sind offenbar verhandelbar.
Wenn gleichzeitig Milliarden an Jolani fließen, während in Syrien Minderheiten wie Drusen, Kurden oder Christen weiter bedroht oder verfolgt werden, verlieren wir nicht nur Glaubwürdigkeit. Wir verlieren Respekt.
Wer aus Kulturen kommt, in denen Ehre, Autorität und Loyalität zentral sind, liest diese Haltung nicht automatisch als Menschlichkeit. Sie liest sie als Schwäche, Prinzipienlosigkeit und Verrat an den eigenen Leuten. Und so unrecht haben sie damit nicht.
Und genau dann werden wir unattraktiv.
Stärke heißt nicht, nie zu verhandeln. Stärke heißt, beim Verhandeln noch zu wissen, wer man ist – und was niemals verhandelbar ist.
📑 Quellenhinweise zum Gastbeitrag
Die folgenden Quellenhinweise dienen der transparenten Nachvollziehbarkeit einzelner im Gastbeitrag genannter Angaben. Der Beitrag wurde mit Genehmigung der Autorin veröffentlicht und inhaltlich nicht redaktionell verändert.
▶️ Originalbeitrag von Nida Banou:
Der Westen verkauft Freiheit. Der Islam verkauft Stolz und Dominanz.
Ursprüngliche Veröffentlichung des Gastbeitrags auf X.
▶️ MOTRA – Monitoring-System und Transferplattform Radikalisierung:
Phänomenmonitoring – Menschen in Deutschland 2021 bis 2025
Quelle für die im Gastbeitrag genannten Prozentwerte zu islamismusaffinen Einstellungen unter muslimischen Befragten.
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