Israel hat Hisbollah-Tunnel im Südlibanon sowie weitere unterirdische Terrorinfrastruktur der Organisation zerstört. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz werten die Operation als Abschluss eines wichtigen militärischen Schritts: Mit der Zerstörung der Anlage sei die Festigung der israelischen Sicherheitszone im Südlibanon abgeschlossen.
Die Sprengung der Hisbollah-Tunnel am 10. September 2026 war dabei nicht der Beginn der Operation, sondern ihr letzter Schritt. Bereits in den Wochen zuvor hatten israelische Truppen nach Angaben der IDF die operative Kontrolle über den Ali-al-Taher-Rücken oberhalb und unterhalb der Erde erreicht. Am 3. September meldete die Armee, zwei unterirdische Tunnelstränge von Hisbollah-Kämpfern geräumt zu haben. Einige seien dabei getötet worden, andere hätten das Gebiet verlassen. Erst anschließend wurden die Anlagen für ihre endgültige Zerstörung vorbereitet.
השמדנו הלילה את המוצב האיראני הגדול ביותר מחוץ לאיראן – מנהרות עלי טאהר בלבנון.
משלימים את המשימה. שנה טובה! pic.twitter.com/xbDGu7Fhyf
— Benjamin Netanyahu – בנימין נתניהו (@netanyahu) September 10, 2026
Eine Woche später folgte die Sprengung. Nach umfangreichen Vorbereitungen zerstörten Kräfte der 36. Division die unterirdischen Anlagen, um sie nach Darstellung der israelischen Streitkräfte dauerhaft militärisch unbrauchbar zu machen.

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Aus dem SCHLAGSEITE X-ArchivHisbollah-Tunnel: Mehr als zwei Kilometer unter der Erde
Die beiden zerstörten Hisbollah-Tunnel erstreckten sich nach Angaben der IDF über insgesamt mehr als zwei Kilometer. In ihnen fanden israelische Soldaten demnach Dutzende Raketen, Flugkörper und Drohnen iranischer Produktion sowie Maschinengewehre, Panzerabwehrwaffen, Minen und weitere Sprengmittel.
Im Zentrum des Systems befand sich nach Darstellung der Armee ein wichtiger Kommandokomplex der regionalen Badr-Einheit der Hisbollah. Die IDF ordnet diese Einheit dem Gebiet des Südlibanon nördlich des Litani zu. Damit handelte es sich bei Ali al-Taher nach israelischer Darstellung nicht lediglich um einen vorgeschobenen Grenzstollen, sondern um ein Führungszentrum für einen deutlich größeren Operationsraum.
Zu dem Komplex gehörten nach IDF-Angaben Führungsräume, Waffenlager, Generatorräume, Aufenthaltsbereiche, Duschen und eine Küche. Die Einrichtungen sollten es Kämpfern ermöglichen, über längere Zeit unter der Erde zu bleiben und von dort militärische Operationen zu führen.
Die IDF bezeichnet die Anlage als strategische Infrastruktur, die über rund zwei Jahrzehnte aufgebaut worden sei. Auch die Aussage, Planung und Finanzierung seien durch das iranische Regime erfolgt, stammt von der israelischen Armee. Eine unabhängige Bestätigung dieser konkreten Angaben zu Bauzeit und iranischer Planung liegt in den verwendeten Quellen nicht in gleicher Detailtiefe vor.
Libanesische Sicherheitsquellen bestätigten gegenüber Reuters jedoch, dass sich in dem Gebiet unterirdische Kommandoeinrichtungen und Waffenlager der Hisbollah befanden. Die von der IDF genannten Stückzahlen, die Einordnung einzelner Waffen als iranische Produktion und die später genannte Menge des eingesetzten Sprengstoffs werden durch diese libanesischen Quellen nicht unabhängig bestätigt.
Warum Ali al-Taher für Israel so wichtig ist
Der Ali-al-Taher-Rücken liegt im Raum Nabatieh und ist aufgrund seiner Höhe militärisch bedeutsam. Er überblickt Ortschaften und Verkehrswege in der Umgebung. Vereinfacht gesagt: Wer den Rücken hält, kann wichtige Wege in Richtung Nabatieh beobachten und im Konfliktfall sperren.
Für Israel zählt aber auch die andere Blickrichtung. Netanjahu und Katz erklärten nach der Zerstörung des Tunnelsystems, die Infrastruktur unter dem Höhenzug habe nach israelischer Einschätzung als Basis für einen möglichen Vorstoß in die Galiläa gedient. Zugleich habe sie Beobachtung und Feuer auf Metula und Kirjat Schmona ermöglicht. Diese Zweckbestimmung ist eine Darstellung der israelischen Regierung.
Damit verbindet Ali al-Taher zwei strategische Funktionen. Der Höhenzug liegt tief genug im Südlibanon, um für die regionale Führung und Versorgung der Hisbollah wichtig zu sein, zugleich aber nahe genug an Israel, um nach israelischer Einschätzung unmittelbar auf die Sicherheit der nördlichen Gemeinden einzuwirken.

Mehr als 1.100 Tonnen Sprengstoff
Für die endgültige Zerstörung der Hisbollah-Tunnel setzte die IDF nach eigenen Angaben mehr als 1.100 Tonnen Sprengstoff ein. Die Times of Israel veröffentlichte die Angabe unter Berufung auf die Armee.
Mit der Sprengung der Hisbollah-Tunnel unter Ali al-Taher erklärte die IDF zugleich die Zerstörung eines größeren unterirdischen Netzes im Raum Ali al-Taher und Beaufort für abgeschlossen. Nach israelischen Angaben umfasste dieses insgesamt acht Tunnel mit einer Gesamtlänge von rund 5,4 Kilometern.
Die Stärke der Explosion war nicht nur hörbar. Libanesische Berichte meldeten starke Erschütterungen im Raum Nabatieh. Nach Angaben des United States Geological Survey wurde im Zusammenhang mit den massiven Explosionen ein seismisches Ereignis der Magnitude 4,1 registriert.
Die Zahl sagt wenig über die militärische Wirkung im Untergrund aus, verdeutlicht aber die physische Größenordnung der Sprengung. Israel beseitigte dort nicht einige kleine Verbindungsgänge, sondern einen über Jahre ausgebauten unterirdischen Komplex.
Aus einer Operation wird eine Sicherheitszone
Mit der Zerstörung der Hisbollah-Tunnel verbindet die israelische Regierung eine weitergehende politische Botschaft. Netanjahu und Katz erklärten am 10. September, die Operation schließe die Festigung der Sicherheitszone im Südlibanon ab.
Nach ihrer gemeinsamen Erklärung soll die IDF in dem Gebiet eine Verteidigungsstellung einnehmen und verhindern, dass die Hisbollah zurückkehrt und ihre militärischen Fähigkeiten wieder aufbaut. Bereits am 4. September hatte Katz erklärt, Israel werde die Sicherheitszone nicht verlassen, solange die Hisbollah nicht im gesamten Libanon entwaffnet und die Bedrohung für die Bewohner Galiläas beseitigt sei.
Die Erklärung von Netanjahu und Katz bedeutet nicht, dass die Kämpfe im Südlibanon beendet oder sämtliche militärischen Fähigkeiten der Hisbollah beseitigt wären. Sie beschreibt einen von Israel beanspruchten militärischen Zustand innerhalb der Sicherheitszone. Auch der genaue Umfang der israelischen Kontrolle lässt sich von außen nicht vollständig unabhängig überprüfen.
Strategisch geht es Israel damit nicht nur um die Zerstörung bereits vorhandener Anlagen. Jerusalem will verhindern, dass dieselben Positionen nach einem Rückzug erneut von der Hisbollah besetzt und militärisch ausgebaut werden.

Der Juni-Rahmen ist kein einfacher Abzugsplan
Der von den USA vermittelte Rahmen vom 26. Juni sieht keinen automatischen israelischen Rückzug nach einem festen Zeitplan vor. Er verbindet den schrittweisen Übergang von Gebieten an die libanesische Armee mit der überprüfbaren Entwaffnung der Hisbollah und der Beseitigung ihrer militärischen Infrastruktur.
Vorgesehen war zunächst ein Vorgehen über sogenannte Pilotzonen, in denen die libanesische Armee schrittweise Verantwortung übernehmen sollte. Reuters berichtete Ende Juli, dass dieser Prozess erhebliche Schwierigkeiten bereitete und kein verbindlicher Zeitplan für die vollständige Umsetzung existierte.
Auch der grundsätzliche Rahmen macht den israelischen Rückzug von der Sicherheitslage abhängig. Nach der von Reuters beschriebenen Vereinbarung soll Israel seine Truppen letztlich zurückziehen, behält aber zunächst Kräfte in der bestehenden Sicherheitszone, solange es die Hisbollah weiterhin als Bedrohung betrachtet.
Die Hisbollah hat diesen Ansatz nicht lediglich verzögert oder mit Bedingungen versehen. Ihr Generalsekretär Naim Qassem wies den amerikanisch vermittelten Rahmen öffentlich zurück. Reuters zufolge bezeichnete er das Abkommen als „null und nichtig“ und wertete es als Kapitulation gegenüber israelischen Interessen.
Damit liegt der Kern des politischen Stillstands offen. Israel macht einen vollständigen Rückzug von der Entwaffnung der Hisbollah abhängig. Die Hisbollah lehnt genau diesen zentralen Bestandteil des Rahmens ab. Die libanesische Regierung erklärt wiederum, staatliche Kräfte seien bereit, weitere Gebiete im Süden zu übernehmen.
Die Sicherheitszone ist deshalb nicht das Ergebnis eines abgeschlossenen Friedensprozesses. Sie ist Ausdruck davon, dass die entscheidende Frage weiterhin ungelöst ist: Wer kontrolliert den Südlibanon tatsächlich, und wer kann dort dauerhaft verhindern, dass neben dem libanesischen Staat erneut eine eigenständige bewaffnete Infrastruktur entsteht?
Eine neue Linie im Norden
Die Zerstörung der Hisbollah-Tunnel unter Ali al-Taher steht damit für mehr als eine spektakuläre Sprengung. Israel hat einen strategisch wichtigen Höhenzug zunächst militärisch genommen, anschließend die dortigen Tunnel geräumt und die Infrastruktur eine Woche später zerstört.
Die politische Schlussfolgerung Jerusalems geht darüber hinaus. Der Rückzug soll nicht am Kalender hängen, sondern an der Frage, ob die Bedrohung tatsächlich beseitigt ist. Genau deshalb bekommt die Auseinandersetzung um die Entwaffnung der Hisbollah jetzt eine unmittelbare territoriale Konsequenz.
Die Sprengung der Hisbollah-Tunnel unter Ali al-Taher beendet nicht die Bedrohung durch die Organisation. Sie markiert aber einen Wandel der israelischen Strategie: Die militärische Infrastruktur soll nicht erst beim nächsten Krieg erneut zerstört werden müssen. Israel will ihren Wiederaufbau bereits vorher verhindern.
Ob daraus eine dauerhaft sichere Nordgrenze entsteht, entscheidet sich deshalb nicht an der Größe der Explosion vom 10. September. Entscheidend ist, ob die Hisbollah tatsächlich entwaffnet wird und der libanesische Staat verhindern kann, dass im Süden erneut eine vom Iran unterstützte militärische Parallelstruktur entsteht.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ Israelische Streitkräfte, 10. September 2026:
IDF: Zerstörung der unterirdischen Infrastruktur am Ali-al-Taher-Rücken
Offizielle Angaben zur Sprengung, Länge der Tunnel, gefundenen Bewaffnung, Badr-Einheit und zur behaupteten iranischen Finanzierung und Planung.
▶️ Israelische Streitkräfte, 3. September 2026:
IDF: Räumung der unterirdischen Anlagen vor ihrer Zerstörung
Offizielle Darstellung zur operativen Kontrolle, zur Räumung der Tunnelstränge und zur anschließenden Vorbereitung der Zerstörung.
▶️ Times of Israel, 3. September 2026:
IDF says it entered, cleared Hezbollah’s Ali Taher Ridge tunnels ahead of demolition
Bericht zur zeitlichen Abfolge von Einnahme, Räumung und Vorbereitung der Tunnelzerstörung.
▶️ Times of Israel, 10. September 2026:
IDF blows up Ali Taher tunnel system a week after clearing it of Hezbollah operatives
Bericht zur Sprengung, zur Badr-Einheit nördlich des Litani sowie zur israelischen Darstellung eines geplanten Vorstoßes in die Galiläa und möglicher Beobachtung und Feuerwirkung auf Metula und Kirjat Schmona.
▶️ Reuters, 10. September 2026:
Israel says it destroyed Hezbollah underground complex at Lebanon’s Ali al-Taher
Bericht zur Zerstörung des Komplexes, zur gemeinsamen Erklärung von Netanjahu und Katz sowie zu libanesischen Quellen über Kommandoeinrichtungen und Waffenlager.
▶️ Reuters, 26. Juni 2026:
Israel-Lebanon framework agreement sets process to disarm Hezbollah, Rubio says
Grundlagenbericht zum amerikanisch vermittelten Rahmen, zur Entwaffnung der Hisbollah und zur Bedingung für einen israelischen Rückzug.
▶️ Reuters, 29. Juli 2026:
First test of US-backed pilot zones in south Lebanon lays bare difficulties
Bericht zur Umsetzung über Pilotzonen, zum fehlenden festen Zeitplan und zu den Schwierigkeiten bei der Übergabe von Gebieten an die libanesische Armee.
▶️ Reuters, 27. Juni 2026:
Hezbollah rejects US-brokered Israel-Lebanon security deal as surrender
Bericht über die Ablehnung des Rahmens durch Naim Qassem und seine Erklärung, das Abkommen sei null und nichtig.
▶️ Times of Israel / AFP, 10. September 2026:
Earthquake recorded after Israel blows up Hezbollah tunnels in south Lebanon
Bericht über die vom USGS registrierte Magnitude 4,1 im Zusammenhang mit den massiven Explosionen.
▶️ Associated Press:
Months after ceasefire, Israel and Hezbollah battle over a strategic hill in Lebanon
Hintergrund zur strategischen Bedeutung des Ali-al-Taher-Rückens und zur von außen nicht vollständig überprüfbaren Reichweite der israelischen Kontrolle.
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