Als „Massendemo“ angekündigt, blieb der Aufmarsch am 26. September 2026 in Düsseldorf zahlenmäßig weit hinter den Erwartungen zurück. Inhaltlich war er weit weniger harmlos: Das Monitoring-Projekt DEMOC dokumentierte Verschwörungsrhetorik über eine angebliche „zionistische Kontrolle“ Deutschlands, die Gleichsetzung Gazas mit dem Warschauer Ghetto, die Parole „Israel ist arabisch“ und religiös aufgeladene Beschimpfungen von Israelis. Der WDR berichtete zusätzlich über einen Genozidvorwurf von der Bühne, Beleidigungen, eine Körperverletzung und verbotene Symbole. Was hier als Palästina-Solidarität auftrat, überschritt an mehreren Stellen klar die Grenze zur antisemitischen und islamistischen Agitation.
Bundesweit mobilisiert wurde mit „Wir vergessen Gaza nicht“ und dem Zusatz „Back to the Roots“, auf Deutsch „Zurück zu den Wurzeln“. Die Berliner Initiative hayhat bewarb ihre eigene Busanreise nach Düsseldorf ausdrücklich als Fahrt zur „Mass demonstration – Back to the roots“. Nach Angaben der WDR-Reporterin vor Ort waren für den Aufzug 5.000 Teilnehmer angemeldet. Die Polizei hatte zeitweise mit bis zu 15.000 gerechnet. Das sind zwei verschiedene Größen: 5.000 waren angemeldet, bis zu 15.000 wurden behördlich erwartet.
Am 26. September 2026 fand in Düsseldorf eine israelfeindliche Demonstration statt. Angemeldet waren 5.000 Personen, tatsächlich kamen nur wenige hundert. Auf Schildern wurde Gaza mit dem Warschauer Ghetto gleichgesetzt. Ein Berliner Redner bezeichnete Israelis als „Schweine“. pic.twitter.com/eVsSL277WL
— democ (@democ_de) September 29, 2026
Tatsächlich erreichte die Demonstration nach Angaben der Polizei Düsseldorf in der Spitze rund 800 Teilnehmer und damit nur einen Bruchteil der erwarteten Größenordnung. Welche Organisation das gesamte Trägernetz hinter der Mobilisierung bildete, blieb öffentlich unklar. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf Medienberichte und Behördenangaben, formal angemeldet worden sei die Demonstration von einer Privatperson mit deutschem Namen.
Damit scheiterte die angekündigte Massenmobilisierung. Der politische Inhalt verschwindet dadurch jedoch nicht. Im Gegenteil: Die vom Monitoring-Projekt DEMOC dokumentierten Reden, Transparente und Parolen zeigen ein Umfeld, in dem Israelhass, antisemitische Verschwörungsmuster, islamistische Identitätspolitik und die Instrumentalisierung der Shoah ineinandergreifen.

Schon die Anreise sprach eine eigene Sprache
Das politische Umfeld zeigte sich nicht erst auf der Bühne. Im Vorfeld kursierte ein offenbar KI-generiertes Werbeplakat für eine gemeinsame Anreise aus Berlin nach Düsseldorf in einem sogenannten „Intifada-Bus“. Darüber berichteten unter anderem Tagesspiegel und BILD. Auf dem Plakat wurde angekündigt, Frauen und Männer sollten getrennt reisen. Daneben stand der Satz: „Ihr sagt Terroristen, wir sagen Widerstand“.
Wichtig ist die saubere Zuschreibung: Der Tagesspiegel konnte weder Urheber noch Echtheit des Aufrufs oder dessen direkte Verbindung zur eigentlichen Demonstrationsorganisation unabhängig verifizieren. Das Plakat ist deshalb kein Beleg dafür, dass der offizielle Anmelder diese Botschaften ausgegeben hat. Es dokumentiert aber sehr wohl, welches Vokabular im Umfeld der Mobilisierung zirkulierte. „Intifada“, Terror als „Widerstand“ und Geschlechtertrennung auf einem einzigen Werbemotiv sind eine ziemlich deutliche politische Visitenkarte.
„Friedlich“ beschreibt die Einsatzlage, nicht den Inhalt
Die abschließende Pressemitteilung der Polizei fasste die Demonstrationen des Tages als überwiegend friedlich und ohne besondere Vorkommnisse zusammen. Das beschreibt das Gesamtbild der Einsatzlage. Es bedeutet nicht, dass es überhaupt keine Zwischenfälle gab.
Der WDR berichtete unter Berufung auf die Polizei von verbalen Auseinandersetzungen und Beleidigungen zwischen Teilnehmern der Demonstration und Gegendemonstranten, besonders am Graf-Adolf-Platz. Außerdem wurde eine Körperverletzung registriert. Auf der Abschlusskundgebung wurden nach WDR-Angaben teilweise verbotene Symbole gezeigt. Die Polizei untersagte deren Darstellung und fertigte Anzeigen.
Es gab zwei Gegenveranstaltungen mit jeweils etwas mehr als 100 Teilnehmern. Die Polizei hielt die unterschiedlichen Lager mit einem großen Aufgebot auseinander. Ein Gegenplakat mit der Aufschrift „Palästina, Halt’s Maul“ sorgte zusätzlich für Reibung. Dass daraus keine größere Eskalation entstand, macht die konkreten Verstöße nicht ungeschehen.
Antisemitismus benötigt keinen Pflasterstein. Islamistische Agitation benötigt keine brennende Barrikade. Eine Demonstration kann ohne Straßenschlacht verlaufen und dennoch Inhalte verbreiten, die antisemitisch, verschwörungsideologisch oder islamistisch sind.
Genau diese Unterscheidung ist bei Düsseldorf entscheidend.
„Zionistische Kontrolle“: Antisemitisches Verschwörungsnarrativ
Laut der DEMOC-Dokumentation vor Ort forderte ein Redner eine „Freiheit für Deutschland“ und suggerierte dabei, Deutschland stehe unter einer angeblichen „zionistischen Kontrolle“. Damit wird aus einer politischen Debatte über die deutsche Unterstützung Israels ein Verschwörungsnarrativ über verborgene zionistische Macht.
Dieses Muster ist keineswegs neu. Die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance nennt Verschwörungsvorstellungen über eine angebliche jüdische Kontrolle von Regierungen, Medien, Wirtschaft oder anderen gesellschaftlichen Institutionen ausdrücklich als mögliches Beispiel antisemitischer Erscheinungsformen. Deutschland unterstützt diese Arbeitsdefinition seit 2017.
Wer behauptet, politische Entscheidungen Deutschlands seien Ergebnis einer „zionistischen Kontrolle“, kritisiert nicht einfach Außenpolitik. Er bedient die alte Vorstellung, hinter demokratischen Institutionen stehe eine verborgene jüdische oder zionistische Macht. Der Wortschatz wurde modernisiert. Das Verschwörungsmuster nicht.
Kritik an der deutschen Israelpolitik ist selbstverständlich möglich. Die Behauptung einer verborgenen „zionistischen Kontrolle“ Deutschlands ist etwas anderes: Sie verschiebt die Debatte von konkreten politischen Entscheidungen hin zu einem verschwörungsideologischen Machtbild.
„Gaza = Warschauer Ghetto“: Die Shoah wird gegen Israel gewendet
Nach der DEMOC-Dokumentation trugen Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift „Gaza = Warschauer Ghetto“. Der Vergleich stellt die heutige israelische Politik in eine direkte gedankliche Linie mit der nationalsozialistischen Vernichtungs- und Ghettoisierungspolitik.
Das Warschauer Ghetto war ein zentraler Ort nationalsozialistischer Verfolgung. Hunderttausende Juden wurden dort entrechtet, ausgehungert, deportiert und schließlich überwiegend ermordet. Seine Geschichte zum politischen Vergleichsinstrument gegen den jüdischen Staat zu machen, verwischt die historische Besonderheit der nationalsozialistischen Judenvernichtung und kehrt gleichzeitig Täter- und Opferbilder um.
Auch hier ist die antisemitische Dimension nicht irgendeine willkürliche politische Zuschreibung. Die IHRA nennt den Vergleich aktueller israelischer Politik mit jener der Nationalsozialisten ausdrücklich als mögliches Beispiel für Antisemitismus.
Man kann Israels Regierung kritisieren. Man kann militärische Entscheidungen kritisieren. Dafür braucht niemand das Warschauer Ghetto. Wer dennoch genau zu diesem Bild greift, entscheidet sich für die maximale historische Dämonisierung des jüdischen Staates.

„Israel ist arabisch“: Parole gegen Israels Existenzrecht
Zu den von DEMOC dokumentierten Parolen gehörte auch „Israel ist arabisch“. DEMOC wertet sie als Bestreiten der Existenz des Staates Israel. Unabhängig davon, welche konkrete politische Vorstellung jeder einzelne Rufer damit verband, liegt der entscheidende Unterschied offen zutage: Hier wurde nicht Benjamin Netanyahu kritisiert, keine Koalition, kein Gesetz und keine konkrete Militäroperation.
Die Aussage richtet sich auf die Identität des Staates selbst.
Israel ist der jüdische Staat und Ausdruck jüdischer nationaler Selbstbestimmung. Die IHRA nennt das Aberkennen des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung ebenfalls als mögliches Beispiel für Antisemitismus. Wer politische Kritik durch die sprachliche Auflösung Israels ersetzt, verlässt die Ebene normaler Regierungskritik.
Vom Nahostkonflikt zur religiösen Feindmarkierung
Die Rhetorik beschränkte sich laut DEMOC nicht auf politische Parolen. Nach der Dokumentation des Monitorings bezeichnete ein Redner aus Berlin Israelis pauschal als „Schweine“ und belegte sie mit religiös-moralischen Verdammungen. Zudem bat er Allah um den Sieg für Gaza, Syrien, den Libanon, den Irak und den Iran.
Damit verschiebt sich die Ebene. Aus einem konkreten politischen Konflikt wird eine religiös aufgeladene Gegenüberstellung von Kollektiven. Israelis erscheinen nicht mehr als Bürger eines Staates mit unterschiedlichen politischen Ansichten, sondern werden pauschal moralisch herabgesetzt.
Genau darin liegt eine der Gefahren solcher Mobilisierung: Menschen werden nicht nach Handlungen beurteilt, sondern einem feindlichen Kollektiv zugerechnet. Israel wird nicht mehr als politischer Gegner behandelt, sondern als moralisch verdorbener Gegenpol einer religiös definierten Gemeinschaft.
hayhat, Iran-Fahnen und der seltsame Freiheitsbegriff
Nach der DEMOC-Dokumentation waren auf der Demonstration zahlreiche Fahnen der Islamischen Republik Iran zu sehen. Eine sichtbar an der Mobilisierung beteiligte Gruppe war die Berliner Initiative hayhat. Auf ihrer eigenen Internetseite bezeichnet sie sich als 2026 gegründete offene Initiative für Menschlichkeit, Freiheit und Frieden und warb ausdrücklich für eine gemeinsame Busfahrt zur Düsseldorfer „Mass demonstration – Back to the roots“.
DEMOC ordnet hayhat dagegen dem regimefreundlichen iranischen Exilspektrum zu, datiert die Gründung auf das Frühjahr 2026 und beschreibt die Gruppe als Unterstützerin der Islamischen Republik sowie Organisatorin israelfeindlicher Veranstaltungen. Diese Bewertung stammt aus dem DEMOC-Monitoring und ist keine Feststellung der Polizei oder einer Sicherheitsbehörde.
Nach Düsseldorf mobilisierte die Initiative unter anderem mit „Free Palestine“, „Free Lebanon“, „Hands off Iran“ und „Hands off Yemen“. Damit wurde Gaza bereits im Vorfeld in eine größere politische Erzählung eingebettet, in der mehrere Konflikte und Staaten zu einem gemeinsamen Widerstandsnarrativ verbunden werden.
Der Widerspruch liegt offen auf dem Tisch: Freiheit und Menschenwürde werden beschworen, während gleichzeitig Fahnen eines islamistischen Regimes durch Düsseldorf getragen werden. Man kann das kompliziert formulieren. Man kann aber auch feststellen, dass Freiheit offenbar ein erstaunlich dehnbarer Begriff wird, sobald Teheran ins Bild kommt.
Hanna Hansen und das salafistische Umfeld
Nach Angaben von DEMOC nahm auch Hanna Hansen an der Demonstration teil. Das ist von ihrer Rolle in der Mobilisierung zu trennen. Medien hatten bereits im Vorfeld berichtet, dass Hansen in sozialen Netzwerken für die Kundgebung geworben hatte. Daraus folgt weder, dass sie die Demonstration organisierte, noch dass sie für deren gesamte inhaltliche Ausrichtung verantwortlich war.
Ihre Einordnung innerhalb des salafistischen Spektrums ist dagegen amtlich dokumentiert. Der Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2025 bezeichnet Hansen als aktuell reichweitenstärkste salafistische Influencerin Deutschlands. Er beschreibt, wie sie sich innerhalb kurzer Zeit zu einer bedeutenden Aktivistin der islamistischen Szene entwickelte und Kontakte zu islamistischen Institutionen, Gruppierungen und salafistischen Akteuren aufbaute.
Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung bezeichnete Hansen bereits 2025 in einer Antwort an den Landtag als extremistisch-salafistische Influencerin und prägende Figur der entsprechenden Szene.
Ihre Teilnahme macht nicht automatisch jeden Demonstranten zum Islamisten. Eine solche Pauschalisierung wäre falsch. Sie zeigt aber, dass die Veranstaltung für Akteure aus dem salafistischen Spektrum anschlussfähig war. Zusammen mit den religiösen Reden, der Ummah-Rhetorik, den iranischen Regimesymbolen und den dokumentierten Parolen ist das kein belangloses Detail.
Auf der Bühne: Genozidvorwurf und Waffenanklage
Auch unabhängig von DEMOC dokumentierte der WDR die politische Rhetorik auf der Bühne. Ein Redner warf Israel den „schlimmsten Genozid dieses Jahrhunderts“ vor.
Wa’el Jaber von der Palästinensischen Allianz NRW richtete den Vorwurf ausdrücklich auch gegen Deutschland. Er sagte laut WDR: „Wir liefern Israel Waffen, wissend, dass sie damit Palästinenser töten.“ Damit ist zumindest dieser Teil der Bühnenrhetorik nicht allein aus einem Monitoring-Bericht bekannt, sondern durch einen öffentlich-rechtlichen Vor-Ort-Bericht unabhängig dokumentiert.
Laufendes Verfahren vor dem IGH ist kein Genozid-Urteil
Der Genozidvorwurf fällt mit maximaler Gewissheit. Juristisch existiert diese Gewissheit nicht.
Südafrika führt vor dem Internationalen Gerichtshof ein Verfahren gegen Israel wegen des Vorwurfs von Verstößen gegen die Genozidkonvention. Dieses Verfahren ist nicht abgeschlossen. Mit Beschluss vom 21. Mai 2026 setzte der Gerichtshof weitere Fristen: Südafrika hat bis zum 22. November 2027 Zeit für seine Erwiderung, Israel bis zum 22. Mai 2029 für die Gegenerwiderung.
Das bedeutet nicht, dass der Vorwurf nicht erhoben oder juristisch geprüft werden darf. Es bedeutet etwas viel Einfacheres: Ein Vorwurf ist kein Urteil. Der Internationale Gerichtshof hat bislang nicht entschieden, dass Israel in Gaza einen Genozid begangen hat.
Wer auf einer Demonstrationsbühne aus einem laufenden Rechtsstreit eine bereits feststehende Tatsache macht, betreibt keine juristische Präzision. Er betreibt politische Mobilisierung mit einem der schwersten Begriffe des Völkerrechts.
ℹ️ Juristischer Stand
Das Verfahren Südafrika gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof läuft weiter. Ein abschließendes Urteil zur behaupteten Verletzung der Genozidkonvention liegt mit Stand 29. September 2026 nicht vor.
Das bequeme Schutzschild „Israelkritik“ funktioniert hier nicht
Wer sich jede Auseinandersetzung über solche Parolen mit dem Satz ersparen möchte, das sei eben besonders scharfe „Israelkritik“, macht es sich zu einfach.
Israelkritik richtet sich gegen Entscheidungen, Regierungen, Gesetze, gesellschaftliche Entwicklungen oder militärische Maßnahmen. Sie kann scharf, polemisch und auch ungerecht sein, ohne automatisch antisemitisch zu werden.
Eine angebliche „zionistische Kontrolle“ Deutschlands, Nazi-Vergleiche, pauschale religiöse Beschimpfungen von Israelis und Parolen, die jüdische Selbstbestimmung beseitigen, funktionieren anders. Hier wird Israel nicht wie irgendein anderer Staat kritisiert. Der jüdische Staat wird dämonisiert, als verschwörerischer Machtfaktor dargestellt oder grundsätzlich delegitimiert.
Diese Unterschiede auszusprechen ist keine Einschränkung politischer Kritik. Es ist die Voraussetzung dafür, politische Kritik überhaupt von Antisemitismus unterscheiden zu können.
Aufmarsch am 26. September 2026: Deutlich kleiner als erwartet
Der Versuch, Düsseldorf zu einer bundesweiten „Massendemo“ zu machen, ist gescheitert. Statt der 5.000 angemeldeten und zeitweise bis zu 15.000 erwarteten Teilnehmer kamen in der Spitze rund 800 Menschen.
Wie deutlich dieser Einbruch ist, zeigt auch der Blick auf das Vorjahr. Bei einer anderen großen Pro-Palästina-Demonstration in Düsseldorf am 27. September 2025 zählte die Polizei nach Angaben des WDR bis zu 12.000 Teilnehmer. Der Vergleich macht aus beiden Veranstaltungen nicht dasselbe Ereignis. Er zeigt aber, dass die Mobilisierung im September 2026 deutlich kleiner ausfiel.
Man sollte sich von der niedrigen Teilnehmerzahl trotzdem nicht beruhigen lassen. Politischer Extremismus wird nicht dadurch bedeutungslos, dass bei einer einzelnen Veranstaltung Busplätze leer bleiben.
Entscheidend ist, welche Ideen öffentlich anschlussfähig werden. In Düsseldorf standen die Vorstellung einer angeblichen zionistischen Fremdkontrolle, Shoah-Relativierung, die Delegitimierung Israels, religiöse Feindmarkierung und Akteure aus islamistischen Milieus nicht irgendwo verborgen am Rand einer digitalen Plattform. Sie standen mitten in einer realen politischen Demonstration in einer deutschen Großstadt.
Das ist der eigentliche Befund von Düsseldorf: Nicht jeder Teilnehmer war Islamist und nicht jede Kritik an Israel ist antisemitisch. Aber wo laut dokumentierter Beobachtung die Shoah gegen den jüdischen Staat gewendet, eine „zionistische Kontrolle“ beschworen, Israelis kollektiv beschimpft und Israels jüdische Existenz delegitimiert wird, ist das Wort „Israelkritik“ keine Erklärung mehr. Es wird zum Deckmantel für etwas, das beim Namen genannt werden muss: antisemitische und islamistische Agitation.
Der angekündigte Massenaufmarsch blieb aus. Die dokumentierte Ideologie verschwand damit nicht. Düsseldorf zeigt, wie problemlos antisemitische Verschwörungsmuster, Israelfeindschaft und islamistische Rhetorik unter dem Etikett „Palästina-Solidarität“ zusammenfinden können.
ℹ️ Faktenbasis und Primärquellen zum Artikel 📑
▶️ Polizei Düsseldorf:
Bilanz der Versammlungen vom 26. September 2026
Offizielle Angaben zur Teilnehmerzahl und zum Gesamtverlauf der Versammlungen.
▶️ Westdeutscher Rundfunk:
Pro-Palästina-Demo in Düsseldorf deutlich kleiner als erwartet
Vor-Ort-Bericht zu Teilnehmerzahlen, zwei Gegendemos, Wa’el Jaber, Bühnenaussagen, Beleidigungen, Körperverletzung und verbotenen Symbolen.
▶️ DEMOC:
Islamistische Agitation und Holocaustrelativierung auf Palästina-Demonstration
Monitoring der Demonstration mit dokumentierten Reden, Parolen, Transparenten, Iran-Fahnen und teilnehmenden Akteuren.
▶️ Tagesspiegel:
Hetzerischer Aufruf mit „Intifada-Bus“ kursiert in sozialen Medien
Bericht zum im Vorfeld verbreiteten Bus-Flyer, zur Geschlechtertrennung und zur ungeklärten Urheberschaft des Aufrufs.
▶️ hayhat:
Bus trip to Düsseldorf – 26 September 2026
Eigendarstellung der Berliner Initiative und eigene Mobilisierung zur Düsseldorfer Demonstration.
▶️ International Holocaust Remembrance Alliance:
Arbeitsdefinition von Antisemitismus
Arbeitsdefinition und Beispiele unter anderem zu Verschwörungsmythen, Nazi-Vergleichen und der Aberkennung jüdischer Selbstbestimmung.
▶️ Ministerium des Innern Nordrhein-Westfalen:
Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2025
Amtliche Einordnung Hanna Hansens und ihrer Aktivitäten innerhalb des salafistischen und islamistischen Spektrums.
▶️ Landtag Nordrhein-Westfalen:
Antwort der Landesregierung zu salafistischen Strukturen und Hanna Hansen
Zusätzliche amtliche Einordnung Hansens als extremistisch-salafistische Influencerin und bundesweit aktive Akteurin.
▶️ Internationaler Gerichtshof:
Order vom 21. Mai 2026 im Verfahren Südafrika gegen Israel
Verfahrensstand und Fristen für die weiteren Schriftsätze im Verfahren zur Genozidkonvention.
▶️ WDR zum Vergleichsjahr 2025:
Pro-Palästina-Demo in Düsseldorf: 12.000 Teilnehmer in der Innenstadt
Vergleichswert zur Größenordnung einer Düsseldorfer Pro-Palästina-Demonstration im September 2025.
🔎 Fehler entdeckt, Kritik oder Ergänzung?
SCHLAGSEITE.eu steht für sorgfältige Recherche und transparente Korrekturen. Du hast einen sachlichen Fehler, eine unklare Formulierung oder einen defekten Link entdeckt? Dann sende mir deinen Hinweis. Bitte gib nach Möglichkeit eine überprüfbare Quelle an.


